| Veranstaltung: | Programmparteitag LTW 2027 S-H |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 1. Landtagswahlprogramm |
| Antragsteller*in: | Landesvorstand (dort beschlossen am: 02.09.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 03.09.2026, 14:56 |
1.1: Bildung – von der Kita bis zum Beruf
Text
Gute Bildung ist eines der höchsten Güter unserer Gesellschaft. Sie legt den
Grundstein für ein selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe. Sie
ist der Anker unserer Demokratie und Freiheit und gibt Antworten auf die Krisen
unserer Zeit. Deshalb gilt für uns der Grundsatz: Bei Bildung werden wir nicht
sparen – vielmehr werden wir die durch rückläufige Kinderzahlen freiwerdenden
Ressourcen im System lassen und damit unsere Bildungseinrichtungen stärken.
Weniger Kinder bedeuten für uns nicht weniger Bildungsinvestitionen, sondern
mehr Investitionen pro Kind.
Unser Ziel ist ein Bildungssystem, das jedes Kind sieht, jedes Talent fördert
und niemanden zurücklässt. Schleswig-Holstein soll zu einem Land werden, in dem
Herkunft und Geldbeutel nicht über den Bildungsweg entscheiden und alle jungen
Menschen die Unterstützung bekommen, die sie brauchen, um ihren eigenen Weg zu
gehen. Wir legen in unserer Politik dabei einen besonderen Fokus auf die
frühkindliche Bildung, denn hier werden die Grundlagen für späteren
Bildungserfolg gelegt.
Die vielen engagierten Kolleg*innen in Kitas, Kindertagespflege und unseren
Schulen bilden das Rückgrat unseres Bildungssystems. Sie geben ihr Bestes dafür,
gute Rahmenbedingungen für die Entwicklung unserer Kinder zu ermöglichen. Um sie
dabei zu unterstützen, brauchen unsere Bildungsinstitutionen mehr Freiräume und
Vertrauen, um wichtige Entscheidungen vor Ort treffen zu können, ohne dass
zentrale Standards infrage gestellt werden. Wir wollen ihnen den Rücken stärken,
denn sie wissen genau, was vor Ort gebraucht wird.
In Regierungsverantwortung haben wir in den letzten Jahren Bildungspolitik – von
Kita bis Hochschule – in Schleswig-Holstein maßgeblich gestaltet, Verantwortung
getragen und die zentralen Herausforderungen angepackt. Dafür haben wir die
Kitas und Kindertagespflege finanziell und personell gestärkt. Für die Kitas
geben wir über 830 Millionen Euro im Jahr 2027 aus – so viel Geld haben wir für
Kita noch nie investiert und das aus tiefster Überzeugung, dass Bildung bereits
in der KiTa beginnt. Statt Geld aus dem System zu nehmen, haben wir die aufgrund
rückläufiger Kinder-Zahlen frei werdenden Gelder gezielt dafür genutzt, in die
frühkindliche Bildung zu investieren: mit dem Programm „Kita für Alle“, mit 35
Millionen Euro für eine Stärkung des Fachpersonals, mit 175 Perspektiv-Kitas,
die wir in dieser Wahlperiode geschaffen haben, mit Investitionen in Inklusion
und mit einer stärkeren Unterstützung der Kommunen und einer Verbesserung des
Kita-Portals für Eltern.
An den Grundschulen haben wir zusätzliche Stunden für Mathe und Deutsch
geschaffen und Demokratiebildung über zusätzliche Wirtschaft/Politik-Stunden an
weiterführenden Schulen nachhaltig gefördert. Der Einstieg in bessere
multiprofessionelle Zusammenarbeit an Schulen wurde initiiert und wird nun in
Modellregionen erprobt. Gegen Machtmissbrauch an Hochschulen haben wir mit der*m
Vertrauensanwält*in eine neue unabhängige Stelle auf den Weg gebracht. Dort wo
wir Bildung in Kitas und Schulen in Schleswig-Holstein gestaltet haben, wurden
die Interessen der Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt gestellt.
Jedes einzelne Kind ist wichtig. Wir GRÜNE wollen deshalb weiterhin
sicherstellen, dass unsere Kitas und Schulen zu den Kindern passen, nicht
umgekehrt. Nur wenn alle Kinder faire Startchancen haben und sich während ihres
Bildungsweges wohl fühlen, können sie zeigen, was in ihnen steckt. Kinder und
Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen, zum Beispiel aufgrund einer
psychischen Erkrankung, einer Behinderung oder auch fehlender Sprachkenntnisse
oder sozialer Herkunft, brauchen dabei besondere Unterstützung. Für uns ist es
daher selbstverständlich, dass wir Bildung und Betreuung immer von den Kindern
und Jugendlichen aus denken.
Eine gerechte, auf die konkreten Aufgaben bezogene Ressourcenverteilung und eine
verlässliche Unterrichtsversorgung sind die Grundlagen für Bildungserfolg.
Schleswig-Holstein wird in den kommenden Jahren insgesamt deutlich weniger
Schüler*innen einschulen. Dies würde zu weniger Stellen und damit weniger
Mitteln an Schulen führen. Wir wollen bestehende Ressourcen an den Schulen
belassen und in Qualität und Entlastung stecken. Bei der Verteilung von
personellen und finanziellen Mitteln haben wir dabei Sozialraumfaktoren im
Blick, damit die Unterstützung dort ankommt, wo sie besonders gebraucht wird.
Berufliche und akademische Bildung sind uns gleich wichtig. Dafür brauchen wir
sowohl hervorragende Hochschulen, als auch gut aufgestellte berufsbildende
Schulen und Ausbildungsbetriebe, top ausgebildete junge Menschen, sowie mutige
Menschen, die einen Betrieb übernehmen. Dafür werden wir passgenaue
Unterstützung geben, denn kein Talent darf verloren gehen, nur weil das Geld für
das Studium oder den Meister fehlt. Um das zu schaffen, dürfen wir niemanden
zurücklassen. Jugendliche ohne Abschluss brauchen daher gezielte Unterstützung
für ihren Bildungsweg. Dabei kommt Beruflichen Schulen weiterhin eine besondere
Bedeutung zu.
Kitas und Kindertagespflegegruppen sind für uns zentrale Bildungsorte, an denen
Kinder von Anfang an entdecken, wachsen und die Welt verstehen lernen. Um den
Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz überall im Land verlässlich umzusetzen,
wollen wir als Land die Kreise und kreisfreien Städte bei der Kita-
Bedarfsplanung besser unterstützen. Denn wo Anmeldezahlen vorübergehend
zurückgehen, darf die erste Antwort nicht der Abbau von Angebotsstrukturen sein.
Für uns gilt: Qualitätsentwicklung hat Vorrang vor dem Rückbau und eine
bedarfsgerechte Öffnung der KiTas ist zentral für die Vereinbarkeit von Familie
und Beruf. Durch den demographischen Wandel freiwerdende Kapazitäten und
Finanzmittel wollen wir gemeinsam mit den Kommunen, Kreisen und kreisfreien
Städten nutzen, um pädagogische Konzepte weiterzuentwickeln, Gruppen zu
verkleinern, bedarfsgerechtere Öffnungszeiten umzusetzen und Inklusion zu
stärken. Dies bedeutet auch den Erhalt kleiner KiTas in unseren Dörfern, denn
unser Bundesland ist geprägt durch die ländlichen Räume.
Die wichtigste Säule in der frühkindlichen Bildung sind die Menschen, die
tagtäglich großes leisten. Deshalb werden wir weiter in die Ausbildung und
Qualifikation unserer Fachkräfte investieren. Wir wollen das Programm
„Fachkräfte Stärken“ inklusive der PiA-Ausbildung evaluieren und dann weitere
Schritte gehen, um die Fachkräfteausbildung zu sichern. Auf Bundesebene fordern
wir, dass die PiA als praxisintegrierte vollschulische Ausbildung gleichwertig
im Meister-BAföG anerkannt wird – damit Träger und Kommunen finanziell entlastet
werden und der praxisorientierte Ausbildungsweg nicht am Geld scheitert.
Wir wollen die Qualität frühkindlicher Bildung in Schleswig-Holstein künftig
noch systematischer und wissenschaftlich fundierter in den Blick nehmen. Dafür
setzen wir uns für eine unabhängige, datengestützte Qualitätsentwicklung der
KiTa-Landschaft in Schleswig-Holstein ein. Wir wollen wissen, wie es um die
Qualität frühkindlicher Bildung im Land tatsächlich bestellt ist – und wo wir
gezielt gegensteuern müssen, ohne die Einrichtungen mit zusätzlicher Bürokratie
zu überlasten. Hier sind wir mit der Kita-Reform 2.0 bereits einen wichtigen
Schritt gegangen und haben Kita-Fachkräfte von unnötiger Dokumentation befreit.
Wir wollen eigene wissenschaftliche Datengrundlagen für frühkindliche Bildung in
Schleswig-Holstein erheben, die sich aus enger Kooperation mit bestehenden
wissenschaftlichen Einrichtungen, den Trägern und den Fachkräften vor Ort und
unter Einbeziehung externer Expertise ableiten. Die Ergebnisse sollen direkt in
die Weiterentwicklung der KiTa-Praxis, der Ausbildung von Fachkräften und der
Landespolitik einfließen. So stellen wir sicher, dass Ressourcen dort ankommen,
wo sie die größte Wirkung für Kinder, Familien und Beschäftigte entfalten. Aus
diesen neuen Daten wollen wir auch einen Blick auf die Unterstützungsprogramme
für KiTas werfen. Wir haben in den letzten Jahren die Sprach-KiTas gerettet, 175
Perspektiv-KiTas geschaffen und Familienzentren und Familienbildungsstätten
gestärkt. In der nächsten Wahlperiode wollen wir evaluieren, wo und wie die
Zusammenarbeit dieser unterschiedlichen Unterstützungsprogramme noch besser
werden kann und welches der beste Weg ist, um die zur Verfügung stehenden Mittel
bestmöglich einzusetzen. Im Kindertagesförderungsgesetz wollen wir eine
Experimentierklausel ähnlich der im Schulgesetz einbauen, um innovativen
Ansätzen in der KiTa-Praxis Raum zur Erprobung zu ermöglichen, ohne dass diese
bestehende Qualitätsstandards aushebeln darf. Außerdem wollen wir es
Tagesmüttern und Tagesvätern vereinfachen, als Arbeitskraft von der
Kindertagespflege in die KiTa zu wechseln – gerade in Regionen mit
zurückgehender Inanspruchnahme.
Damit Kitas dauerhaft gute Orte für Kinder sein können, brauchen alle
Beteiligten eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung. Die gesetzlich
festgelegte Evaluation der Finanzierungsparameter muss regelmäßig zur
Nachbesserung genutzt werden. Dazu gehört auch, dass wir das Personalbudget im
KiTaG kontinuierlich weiterentwickeln, sodass es die Personalstruktur vor Ort
verlässlich abbildet. Sachkosten sollen transparent und nachvollziehbar
definiert sein. Gute frühkindliche Bildung steht und fällt mit der Zeit, die
pädagogische Fachkräfte für jedes einzelne Kind haben. Die Fachkraft-Kind-
Relation ist einer der entscheidenden Hebel für pädagogische Qualität – und hier
wollen wir in Schleswig-Holstein noch besser werden. Wir werden im Rahmen der
Verfügbarkeit von Fachkräften und Finanzmitteln das Personalbudget der KiTas
erhöhen. Für mehr Verlässlichkeit im Kita-Alltag wollen wir den Auf- und Ausbau
kitaübergreifender Springerpools gemeinsam mit den Trägern und Kommunen fördern,
damit Personalausfälle nicht länger auf dem Rücken der verbleibenden Fachkräfte
und der Kinder ausgetragen werden.
Wir werden Kinderrechte und Partizipation weiter stärken. Für gute frühkindliche
Bildung ist es zentral, Kinder als aktive Gestalter*innen ihres Alltags ernst zu
nehmen. Kinder sollen lernen, eigene Wünsche auszudrücken, sich gegenseitig
zuzuhören und Verantwortung füreinander zu übernehmen. Eine aktive
Demokratiebildung beginnt in der Kita.
Bildung für nachhaltige Entwicklung beginnt nicht erst in der Schule, sondern
wollen wir weiterhin bereits in den Kitas verankern. Denn nur wer im Kindesalter
gelernt hat, nicht-menschliches Leben zu respektieren, kann rücksichtsvoll mit
der Natur umgehen. Bestehende Ansätze wie Naturpark-Kitas, Nationalparkschulen
und die Bildungsinitiative Biodiversität sollen ausgebaut und verstetigt werden.
Wir werden das Programm „Bewegungskitas“ weiter stärken – in enger
Zusammenarbeit mit Sportakteur*innen, Verbänden und Fachkräften. Auch die
Kulturelle Bildung in KiTas wollen wir fördern und Musik-, Tanz-, Kunst- und
Theaterprojekte in den KiTas stärken. Dies entlastet Personal und eröffnet allen
Kindern neue Horizonte und die Möglichkeit, eigene Talente zu entdecken. Eine
Zusatzqualifikation für Kulturelle Bildung sehen wir als eine Möglichkeit an,
mehr Menschen für die Arbeit in der KiTa zu begeistern und die Qualität in der
Bildung zu stärken.
(Digitale) Medien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Bereits im
frühkindlichen Alter werden unsere Jüngsten – gewollt oder ungewollt – mit
Medieninhalten konfrontiert. Wir wollen daher alle an der Bildung beteiligten
Fachkräfte im Bereich Medienpädagogik regelmäßig schulen, sodass sie auf
aktuelle Entwicklungen und Trends kompetent reagieren können, auch in der
Elternarbeit.
Lesekompetenz ist eine Schlüsselkompetenz für gesellschaftliche Teilhabe und
Chancengerechtigkeit. Wir wollen niedrigschwellige Vorleseangebote für Kinder
landesweit fördern und ausbauen, denn frühe Sprachförderung legt den Grundstein
für Bildungserfolg. Dabei setzen wir auf ehrenamtliches Engagement, das Jung und
Alt zusammenbringt: Vorleseprojekte können gezielt ältere Menschen einbinden und
so gleichzeitig soziale Isolation bekämpfen und das Ehrenamt stärken. Besonders
in ländlichen Räumen, wo Bildungsinfrastruktur dünn gesät ist, wollen wir solche
Angebote gezielt unterstützen – etwa in Dorfgemeinschaftshäusern, Bibliotheken
und Familienzentren.
Bezahlbare Kinderbetreuung ist auch eine Frage der Gleichstellung. Solange Kita-
Kosten vor allem Mütter strukturell in Teilzeit und geringere Erwerbsarbeit
drängen, verstärkt das Finanzierungssystem die Gender Care Gap statt sie
abzubauen. Unser langfristiges Ziel ist daher, die Kita-Gebühren abzuschaffen.
Dies ist aufgrund der Haushaltslage des Landes aktuell jedoch nicht
realisierbar, weshalb wir als Zwischenschritt an einer fairen Sozialstaffel
festhalten. Dafür wollen wir als Land die Erhebung der Kita-Gebühren
zentralisieren und digitalisieren. Das Verfahren soll mithilfe des automatischen
Zugriffs auf die Steuerdaten der Eltern ermöglichen, dass wir eine echte und
sozial gerechte Staffelung der Kita-Gebühren schaffen, solange wir weiterhin
Kita-Gebühren erheben müssen.
Wir wollen, dass alle Kinder eine Kita besuchen, bevor sie in die Schule kommen.
Bildungsgerechtigkeit beginnt nämlich genau hier. Deshalb wollen wir ein
kostenloses und verpflichtendes letztes Kita-Jahr für Schleswig-Holstein
einführen, nach dem Beispiel von Baden-Württemberg. So entlasten wir zusätzlich
alle Eltern, die dadurch im letzten Jahr keine Gebühren zahlen müssen.
Frisches gesundes Essen ist für die Entwicklung unserer Kinder zentral. Dennoch
erkennen wir an, dass die Essensbeiträge Eltern oft stark belasten. Wir werden
die Pflicht zur Transparenz der Berechnung und Mitbestimmung bei den
Essensbeiträgen gesetzlich weiter schärfen und gemeinsam mit Trägern und
Kommunen eine praktikable Deckelung entwickeln, die die individuellen Ressourcen
in den Einrichtungen anerkennt. Zudem wollen wir Kooperationen mit den lokalen
Landwirtschaftsbetrieben, den Einbau von Küchen und den Einsatz von
Küchenpersonal für frisch gekochtes Essen fördern.
Kitas sollen befähigt werden, allen Kindern mit und ohne Förderbedarf ein
gemeinsames Lernen zu ermöglichen. In dieser Wahlperiode sind die Kompetenzteams
Inklusion in allen Kreisen und kreisfreien Städte angelaufen. Sie unterstützen
die KiTas und Kindertagespflegepersonen auf dem Weg zu einer inklusiveren
Arbeit.
Gleichzeitig bleibt auf dem Weg zu inklusiven KiTas noch viel zu tun. Wir werden
weiterhin zusätzliches heilpädagogisches Personal für KiTas bereitstellen, in
denen Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf betreut werden. Zusätzlich
wollen wir die bisherigen Systeme von Kita-Assistenzen, freigehaltenen Plätzen
für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf und anderen regionalen Modellen
evaluieren und möglichst so zusammenführen, dass KiTas systemisch gestärkt
werden.
Den „Entwicklungsfokus Viereinhalb“ (EVi) haben wir in Schleswig- Holstein
erfolgreich in den Perspektiv-Kitas eingeführt. In einem landesweiten Verfahren
wird ab 2027/2028 die Entwicklung aller Viereinhalbjährigen in den Bereichen
Sozialkompetenz, Motorik, Mathematik, Musik, Kunst und Naturwissenschaft sowie
sprachliche Entwicklung in Kitas erfasst. Um die Schulfähigkeit zu verbessern,
wird aus EVi konkrete Förderung folgen.
Wir wollen den Übergang KiTa-Grundschule verbessern, indem wir EVi datengestützt
weiterentwickeln. Kitas und Schulen brauchen ausreichend Kapazitäten, um das
Verfahren gut durchzuführen und um in dem Verfahren und im Übergang von der KiTa
in die Grundschule generell gut zusammenzuarbeiten. Für den direkten Übergang
Kita-Schule wollen wir Best-Practice Beispiele sammeln und Empfehlungen für
Kitas und Schulen herausgeben um einen fließenden Übergang und enge
Kooperationen zwischen Kita und Schule zu fördern. Dies umfasst präventive
Hilfen und Maßnahmen, die den Übergang erleichtern und sicherstellen, dass jedes
Kind bestmöglich auf die Schule vorbereitet wird. Erfolgreiche Modelle einzelner
Kommunen für ein systematisches, ressourcenorientiertes Übergangsmanagement
können dabei Vorbild sein.
Die verlängerte Eingangsphase in der Grundschule hat sich als wirksames
Instrument bewährt, um Kinder individuell und ohne Leistungsdruck in ihrer
Schullaufbahn zu begleiten. Sie gibt Schüler*innen die Zeit, die sie brauchen,
und ermöglicht Lehrkräften, einen erhöhten Förderbedarf frühzeitig zu erkennen
und gezielt zu handeln, bevor sich Lücken festigen und der Anschluss an die
Klasse schwerer wird. Gleichzeitig wollen wir präventive sonderpädagogische
Förderung bereits in der Schuleingangsphase ausbauen, denn frühe und
niedrigschwellige Unterstützung hilft dabei, Förderbedarfe rechtzeitig zu
erkennen und zu begleiten, ohne dass Kinder stigmatisiert oder aus dem
gemeinsamen Lernen herausgelöst werden. Damit dieser Anspruch Wirklichkeit
werden kann, haben wir in dieser Legislaturperiode die Ausbildungskapazitäten
für Sonderpädagog*innen an den Hochschulen ausgeweitet.
Unser langfristiges Ziel ist das längere gemeinsame Lernen. Orientiert an
Erfahrungen mit Modellen längeren gemeinsamen Lernens, wie z. B. dem PRIMUS-
Schulversuch in Nordrhein-Westfalen, wollen wir wissenschaftlich begleitete
Modellversuche ermöglichen, in denen Kinder bis zum Ende der sechsten Klasse
gemeinsam lernen. So schaffen wir Erkenntnisse für die Weiterentwicklung unseres
Bildungssystems – ohne ideologischen Druck, aber mit offenem Blick auf das, was
Kindern wirklich nützt.
Trotz finanzieller Herausforderungen haben wir in den letzten Jahren weiter in
die Bildung unserer Grundschüler*innen investiert und zusätzliche Deutsch und
Mathestunden in das System gegeben. Mit Blick auf kommende Wahlperiode wollen
wir die freiwerdenden Mittel aufgrund rückläufiger Kinderzahlen im System
belassen. Wir wollen diese Lehrkräftestellen dabei in der Logik des
Startchancen-Programms vor allem dort einsetzen, wo der Bedarf am höchsten ist.
Für uns gilt weiterhin der Grundsatz „Kurze Beine, kurze Wege“. Eine Dorfschule
ist weit mehr als ein Lernort: Sie ist ein Zentrum des gemeinschaftlichen
Lebens, ein Ort der Begegnung für Familien, Vereine und das gesamte Dorf.
Deshalb haben wir bereits Ausnahmeregelungen geschaffen, um sicherzustellen,
dass möglichst wenige Grundschulen aufgrund zu geringer Zahlen geschlossen
werden. Dazu wollen wir auch innovative Ansätze ermöglichen wie längeres
gemeinsames Lernen bis zur sechsten Schulklasse.
Kinder, die sich regelmäßig bewegen, lernen besser, sind gesünder und fühlen
sich besser. Doch der Schulalltag lässt dafür bisher zu wenig Raum. Das wollen
wir ändern. Wir bestärken die Schulen darin, Bewegung als festen Bestandteil des
Schulalltags zu verankern – nicht nur im Sportunterricht, sondern auch durch
bewegte Pausen, bewegungsorientierte Unterrichtsformate und Kooperationen mit
lokalen Sportvereinen und -verbänden. Viele Grundschulen haben hier bereits
erfolgreiche Konzepte umgesetzt. Sport in der Schule soll Freude machen und zur
lebenslangen Lust an Bewegung beitragen – nicht in erster Linie der
Leistungsmessung dienen. Deshalb wollen wir die Benotung im Sportunterricht an
Grundschulen abschaffen, damit alle Schüler*innen mehr Spaß an Bewegung haben.
Ein zentrales Anliegen bleibt für uns: Jedes Kind soll schwimmen lernen. Wir
wollen die Schwimmausbildung im Schulunterricht stärken und sicherstellen, dass
sie wirklich alle Kinder erreicht. Schulen wollen wir dabei verstärkt
unterstützen, Lehrkräfte für den Schwimmunterricht zu qualifizieren. Gemeinsam
mit Kommunen und Vereinen werden wir dafür sorgen, dass ausreichend
Schwimmbadkapazitäten zur Verfügung stehen.
Für mehr Bildungsgerechtigkeit wollen wir Hausaufgaben in der Grundschule
abschaffen. Viele Lehrkräfte gehen bereits diesen Weg, da sich zeigt, dass die
Bearbeitung der Hausaufgaben in der Grundschule immer mehr von der Unterstützung
zuhause abhängt. Statt Hausaufgaben soll es in den Ganztag integrierte Arbeits-
und Nachhilfeangebote geben. Damit unterstützen wir die Chancengerechtigkeit und
entlasten Familien gezielt.
Schulen sind seit einigen Jahren verpflichtet, eigene Schutzkonzepte zu
erarbeiten und umzusetzen. Hierbei soll es auch um Schutz vor psychischer,
körperlicher und sexualisierter Gewalt gehen. Außerdem wollen wir unterstützen,
dass alle Schulen sich mit dem Thema digitale Gewalt auseinandersetzen und
Maßnahmen zur Verhütung ergreifen.
Viele Schüler*innen sind heute psychische und seelisch sehr belastet und tragen
bereits einen ganzen Rucksack von Erfahrungen mit sich, die verarbeitet werden
müssen. Damit Lehrkräfte und Schulsozialarbeit sich gut auf die Kinder
einstellen können, Traumata oder Gewaltanzeichen erkennen und belastete Kinder
unterstützen, wollen wir das Programm „TiK-SH“ an Grundschulen und Förderzentren
weiterführen und bedarfsgerecht ausbauen.
Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung zusammen mit der Ferienbetreuung ist
zentral für das Ziel der Bildungsgerechtigkeit und der Vereinbarkeit von Familie
und Beruf. Wir lassen die Kommunen mit dieser Aufgabe nicht alleine, sondern
unterstützen sie in dieser Legislaturperiode daher mit 790 Millionen Euro bei
Investitionen und tragen 75 Prozent der Kosten bei laufenden Ausgaben.
Ganztag in der Grundschule verändert den Schulalltag und das Verständnis von
Bildung. Mit der Einführung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung entsteht
die Chance, Schulen als Gemeinschaftsorte zu gestalten – mit vielfältigen
Bildungs-, Sport, Kultur, offenen und freien Angeboten. Wir wollen seine
Umsetzung evaluieren und dabei den Fokus ausdrücklich auf das Wohlbefinden,
sowie die Wünsche und Bedarfe der Schüler*innen legen. Die Ergebnisse dieser
Evaluation sollen verbindliche Grundlage für Verbesserungen sein – mit
entsprechenden Mitteln, die wir dafür bereitstellen wollen. Gute Ganztagsschulen
brauchen Räume, die zum Verweilen einladen, eine durchdachte Strukturierung des
Schulalltags und multiprofessionelle Teams, die Schüler*innen ganzheitlich
begleiten. Schulen sollen Orte sein, an denen Kinder und Jugendliche nicht nur
lernen, sondern auch spielen, sich begegnen, zur Ruhe kommen, mitgestalten und
Unterstützung finden.
Unsere Schüler*innen sollen sich an ihren Schulen wohlfühlen. Wir denken ihre
Bedarfe nicht nur mit, sondern wir beteiligen sie bei allen Fragen und
Entscheidungen: Von der Raumgestaltung bis zur Tagesstruktur. Gute Schule lebt
von echter Partizipation der Kinder und Jugendlichen. So machen wir Schule zu
einem Ort, der Bildungsgerechtigkeit und gutes Aufwachsen zusammenbringt.
Wo Schulen, Schulträger und Eltern dies gemeinsam tragen, wollen wir weitere
gebundene und teilgebundene Ganztagsschulen ermöglichen. Unser Schwerpunkt liegt
dabei zunächst auf den Startchancen-Schulen, weil dort hochwertige
Ganztagsangebote einen besonders großen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit
leisten können. Ein verbindlicher Ganztag stellt sicher, dass kein Kind wichtige
Bildungs-, Förder- und Betreuungsangebote verpasst, nur weil die familiären
Voraussetzungen unterschiedlich sind. Gerade Kinder aus sozial benachteiligten
Familien profitieren davon, wenn Schule verlässlich mehr ist als Unterricht am
Vormittag.
Wir wollen den Ganztag in Schleswig-Holstein deshalb inhaltlich stärken und ihm
ein klares Profil geben: Kultur, Bewegung und Sport sollen selbstverständliche
und qualitativ hochwertige Bestandteile eines guten Ganztagsangebots sein –
nicht als Lückenfüller, sondern als wichtige Bildungsangebote mit eigenem Wert.
Wer Zugang zu kultureller Bildung und zu Sport hat, entdeckt Talente, gewinnt
Selbstvertrauen und erlebt Gemeinschaft. Kinder und Jugendliche lernen, sich
auszuprobieren, Verantwortung zu übernehmen und ihren Blick auf die Welt zu
erweitern. Diese Chancen dürfen nicht vom Geldbeutel der Eltern oder vom Wohnort
abhängen. Deshalb wollen wir Sport- und Kulturangebote im Ganztag in ganz
Schleswig-Holstein verlässlich ausbauen und dabei eng mit Sportvereinen,
Musikschulen, Kultureinrichtungen und Trägern der Jugendarbeit zusammenarbeiten.
Wir wollen die Förderung von Sport- und Kulturangeboten im Ganztag stärker an
einem Sozialindex ausrichten, damit Mittel gezielt dort ankommen, wo sie am
meisten bewirken – insbesondere an Startchancenschulen. Erfolgreiche Projekte
wie „Schule trifft Kultur“ wollen wir dauerhaft absichern und weiter ausbauen.
Kooperationen mit Vereinen, Kulturinitiativen und Partnern der offenen
Jugendarbeit sollen fest verankert und zuverlässig finanziert werden. So wird
Schule zu einem lebendigen Ort der Gemeinschaft – offen, vielfältig und für alle
zugänglich.
Eine gute Ganztagsschule braucht verlässliches und gut ausgebildetes Personal –
und dieses Personal braucht faire, stabile Arbeitsbedingungen.
Schulbegleitungen, Klassenassistenzen und andere pädagogische Fachkräfte leisten
täglich unverzichtbare Arbeit, sind aber häufig unter prekären Bedingungen
beschäftigt: oft in Teilzeit, ohne Planungssicherheit und mit kaum Perspektiven
zur beruflichen Weiterentwicklung. Wir haben begonnen, das zu ändern. Wir setzen
uns dafür ein, die Modelle multiprofessioneller Teams unter Einbezug des
schulischen Ganztags auszuweiten, die es pädagogischen Fachkräften an
Ganztagsschulen ermöglichen, durch den kombinierten Einsatz in verschiedenen
Rollen – etwa als Schulbegleitung am Vormittag und Klassenassistenz am
Nachmittag – eine Vollzeitstelle zu erreichen. So schaffen wir nicht nur bessere
Arbeitsbedingungen, sondern auch mehr Kontinuität und Professionalität zum Wohl
der Schüler*innen. Wo dies noch nicht so weit ist, wollen wir ein Pool-Modell
für pädagogische Ganztagskräfte einführen. Es ermöglicht, dass diese Fachkräfte
flexibel und bedarfsgerecht in verschiedenen Klassen und Gruppen eingesetzt
werden können, stärkt die multiprofessionelle Zusammenarbeit, sichert
Beschäftigung und kommt letztlich allen Kindern zugute.
Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufen sichern den Weg zu den ersten
qualifizierten Schulabschlüssen. Der inklusive und integrative Ansatz soll alle
Schüler*innen ohne gläserne Decke zu ihren Bestleistungen befähigen und
ermutigen. Dabei stehen diese Schulen jedoch vor vergleichsweise größeren
strukturellen Herausforderungen und brauchen daher auch mehr Ressourcen. Mit dem
Startchancen-Programm werden bis zum Jahr 2034 137 Schulen im Land mit jährlich
66 Millionen Euro besonders gefördert. Den dafür entwickelten und erprobten
Sozialindex wollen wir auch künftig als Orientierung bei der Vergabe von
weiteren personellen und finanziellen Ressourcen heranziehen.
Wir wollen Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufen dabei unterstützen, ihre
spezifischen Angebote an Schule und im Unterricht auszubauen, damit sich mehr
Schüler*innen für diese Schulform entscheiden. Insbesondere Unterricht mit
deutlich stärkerem Praxisbezug kann eine attraktive Alternative zur
Sekundarstufe 1 an Gymnasien bieten. Um Gemeinschaftsschulen mit sinkender
Schüler*innenzahl langfristig zu erhalten und Schulabschlüsse mit kurzen Wegen
zu ermöglichen, wollen wir Gemeinschaftsschulen dort, wo es vor Ort Bedarfe
gibt, ermutigen, einen Antrag zur Einrichtung einer Oberstufe zu stellen. Wir
stehen der Einrichtung weiterer Oberstufen an Gemeinschaftsschulen grundsätzlich
positiv gegenüber. Zudem setzen wir uns für Campuslösungen gemeinsam mit
Grundschulen ein.
Individuelle und freie Lernformen und Projektlernen fördert das Interesse, die
Lernmotivation und die Selbstorganisation in allen Bereichen. Für Möglichkeiten
zu innovativen Unterrichtskonzepten werden wir uns insbesondere an
weiterführenden Schulen einsetzen. Wir wollen zudem die bestehenden
Möglichkeiten der Notenfreiheit erweitern.
Kontinuierliche Berufsorientierung für Jugendliche ist uns wichtig, um sie auf
die Entscheidung für eine Ausbildung oder Studium frühzeitig vorzubereiten. Wenn
Schüler*innen über die Pflichtpraktika hinaus weitere freiwillig Praktika machen
wollen, sollen sie dabei Unterstützung von ihrer Schule erhalten. Das bestehende
Wirtschaftspraktikum in der Oberstufe wollen wir zu einem offenen
Berufsorientierungspraktikum weiterentwickeln. Das eingeführte Fach
Berufsorientierung in der Oberstufe wollen wir evaluieren und praxisnah
weiterentwickeln. Berufsorientierung muss allerdings viel mehr sein, als ein
einzelnes Unterrichtsfach in der Oberstufe. Berufsorientierung soll jungen
Menschen Neugier auf die Arbeitswelt vermittelt, Perspektiven aufzeigt und
Unsicherheiten bei der Berufs- und Studienwahl ohne Druck konstruktiv abbaut.
Viele Schulen pflegen bereits Berufsorientierungs-Netzwerke mit der regionalen
Wirtschaft und organisieren Praktikumsbörsen, Berufsmessen oder Workshops.
Diesen Weg wollen wir weiter unterstützen. Die in dieser Legislatur eingeführte
Praktikumsplattform „Praktikum SH“ hat sich bewährt und wir wollen sie nun
stärker bekannt machen.
Schulen in freier Trägerschaft und die dänischen Schulen sind ein wichtiger
Bestandteil unser Bildungslandschaft. Sie bringen innovative Elemente ins
Schulsystem. Wir werden die Reduzierung der Finanzierungszuschüsse neu
betrachten und setzen uns für eine gute Finanzierung der Schulen in freier
Trägerschaft ein.
Zu viele Jugendliche verlassen die Schule in Schleswig-Holstein ohne anerkannten
Abschluss. Das bedeutet für die Betroffenen oft erhebliche individuelle
Nachteile beim Einstieg ins Berufsleben, schränkt die gesellschaftliche Teilhabe
dauerhaft ein und verschärft soziale Ungleichheit. Um wirksam gegensteuern zu
können, müssen wir die tatsächlichen Ursachen von Schulabbrüchen besser
verstehen. Dafür brauchen wir eine belastbare Datenlage, die auch
Bildungsverläufe über die allgemeinbildende Schule hinaus in den Blick nimmt –
insbesondere den Weg über die berufliche Bildung. Um die Bildungsbiografien von
Jugendlichen ohne Schulabschluss besser nachvollziehen und gezielt Unterstützung
anbieten zu können, benötigen wir eine Bildungs-ID. So werden diese Jugendlichen
für Jugendberufsagenturen und andere Beratungsangebote erreichbar. Schüler*innen
mit einem Förderschulabschluss sollen dabei gesondert in der Statistik
ausgewiesen werden, um ihre Bildungswege sichtbar zu machen und passgenaue
Angebote zu ermöglichen.
Gut ausgebildete Lehrkräfte sind das Fundament eines starken Bildungssystems.
Sie begleiten Kinder und Jugendliche auf ihrem individuellen Bildungsweg und
tragen entscheidend dazu bei, Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftliche
Teilhabe zu ermöglichen. Damit sie dieser Verantwortung gerecht werden können,
brauchen sie eine hochwertige Ausbildung, gute Arbeitsbedingungen und
verlässliche Unterstützung im Schulalltag.
Doch auch bei uns in Schleswig-Holstein fehlen bereits heute vielerorts
Lehrkräfte. Der Lehrkräftemangel trifft dabei bestimmte Regionen, Schularten und
Schulfächer besonders gravierend und verschärft bestehende Ungleichheiten. Ihm
wirksam und nachhaltig zu begegnen, ist deshalb für uns GRÜNE ein zentrales
Handlungsfeld der Bildungspolitik. Wir wollen gemeinsam mit der Allianz für
Lehrkräftebildung mehr Menschen für den Lehrberuf gewinnen und zugleich dafür
sorgen, dass Lehrkräfte gute Arbeitsbedingungen vorfinden und langfristig gerne
in unseren Schulen arbeiten.
Als zentralen Baustein sehen wir dafür die Ausbildung von Lehrkräften. Wir
setzen uns für eine bessere Verzahnung aller Ausbildungsphasen im Lehramt ein –
von der universitären Ausbildung über den Vorbereitungsdienst bis hin zur
Berufseinstiegsphase. Der Sprung vom Vorbereitungsdienst in den vollständig
eigenverantwortlichen Schulalltag ist für viele Berufseinsteiger*innen eine
große Herausforderung. Wir wollen diesen Übergang gezielt begleiten und setzen
uns daher für die Einführung einer Berufseingangsphase als dritte Phase der
Lehrkräfteausbildung ein. Konkret wollen wir an den Schulen strukturierte
Mentoringprogramme flächendeckend einführen, die neuen Lehrkräften in den ersten
beiden Berufsjahren zur Seite stehen. Auch Studierende, die während ihres
Studiums oder vor dem Vorbereitungsdienst bereits an Schulen arbeiten und dort
eigenverantwortlich unterrichten, wollen wir durch Mentoring stärker begleiten.
In den letzten Jahren ist die Arbeitsbelastung von Lehrkräften stetig gestiegen.
Wir setzen uns dafür ein, dass zukünftig gilt: Wenn neue Aufgaben dazu kommen,
dann müssen andere Aufgaben gehen. Aufgaben, die keine pädagogische
Qualifikation erfordern, können beispielsweise von entsprechend qualifizierten
Kräften übernommen werden. Dabei wollen wir berücksichtigen, wie digitale
Lösungen und KI-gestützte Werkzeuge den Verwaltungsaufwand weiter reduzieren
können.
Die Arbeitszeit von Lehrkräften muss Unterricht ebenso realistisch abbilden wie
Vor- und Nachbereitung, Korrekturen, Elternarbeit, Fortbildung und die
Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams. Wir wollen deshalb gemeinsam mit
Lehrkräftevertretungen zeitgemäße Arbeitszeitmodelle entwickeln, zunächst
erproben und wissenschaftlich evaluieren. Dabei sollen auch die Ergebnisse aus
dem Versuch in Bremen, anderen Ländern, wie Kanada und aus Studien, wie zum
Beispiel aus Sachsen einfließen. Eine bessere Erfassung der tatsächlichen
Arbeitsbelastung bei gleichzeitiger Beibehaltung der flexiblen
Arbeitszeitgestaltung soll Überlastung sichtbar machen, verlässliche Teamzeiten
ermöglichen und eine fundierte Grundlage für Personalplanung und
Gesundheitsschutz schaffen.
Lehrkräfte in Schleswig-Holstein verbringen wertvolle Zeit damit,
Unterrichtsmaterialien selbst zu suchen, zu erstellen oder privat zu kaufen –
Zeit, die besser in die Arbeit mit den Schüler*innen investiert wäre. Dieser
Flickenteppich aus Einzellösungen führt zu unnötiger Doppelarbeit, ungleicher
Unterrichtsqualität und zusätzlicher Belastung. Wer moderne, offene und
individualisierte Lernformen fördern will, muss dafür sorgen, dass passendes
Material auch tatsächlich verfügbar ist. Deshalb wollen wir ein Materialnetzwerk
als landesgetragene Plattform aufbauen – technisch eingebettet in bestehende
Strukturen wie das Lernmanagementsystem its learning. So entsteht ein
solidarisches, lebendiges Netzwerk statt isolierter Einzelarbeit. Das
Materialnetzwerk soll qualitätsgesicherte Unterrichts- und Lernmaterialien für
alle Schulformen und Fächer bereitstellen – darunter ausdrücklich Vorlagen für
offene Lernformen wie Flipped Classroom, Projektarbeit, Lerncoaching und
jahrgangsübergreifende Unterrichtskonzepte. Begonnen soll dabei mit zentralen
Fächern. In die Materialentwicklung wollen wir Lehrkräfte, Hochschulen, das
IQSH, Medienzentren und zivilgesellschaftliche Partner einbinden.
Wir setzen uns für die Entlastung der Lehrkräfte, gerade an kleineren Schulen,
dafür ein, dass das Land in den begleitenden Leitfäden zu den Fachanforderungen
bereits ein Beispiel-Fachcurriculum vorschlägt, welches als Grundlage für die
Schulen dient und auf die individuellen Bedarfe angepasst werden kann. Dies ist
in einigen Fächern bereits üblich, soll aber nun zum Standard in allen Fächern
werden.
Das IQSH wollen wir konsequent weiterentwickeln und stärker auf eine wirksame
Schul- und Unterrichtsentwicklung vor Ort ausrichten. Die Bildungsforschung
zeigt klar: Fortbildungsangebote, die einzelne Lehrkräfte punktuell ansprechen,
haben eine begrenzte Wirkung. Nachhaltiger ist es, ganze Schulen und Kollegien
passgenau bei ihren konkreten Herausforderungen zu begleiten. Wir wollen
deshalb, dass das IQSH künftig verstärkt längerfristige und schulspezifische
Unterstützungsformate anbietet, die auf die jeweilige Situation einer Schule
zugeschnitten sind. Die Angebote des IQSH sollen regelmäßig evaluiert werden, um
ihre Wirksamkeit sicherzustellen und weiterzuentwickeln. Bestehende Strukturen
wie Schulentwicklungsteams und Landesfachstellen wollen wir dabei gezielt
stärken und besser vernetzen, damit Schulen vor Ort die Unterstützung erhalten,
die sie brauchen
Lehrkräfte leisten jeden Tag einen unverzichtbaren Beitrag für unsere
Gesellschaft – unter wachsendem Druck, mit steigenden Anforderungen und oft ohne
ausreichende Unterstützung. Wer guten Unterricht gestalten will, muss selbst
gesund und handlungsfähig bleiben. Lehrkräftegesundheit ist für uns deshalb ein
zentrales bildungspolitisches Anliegen. Wir wollen die psychische Gesundheit von
Lehrkräften gezielt stärken und werden dafür Beratungs-, Supervisions- und
Gesundheitspräventionsangebote ausbauen und dauerhaft zugänglich machen.
Gleichzeitig nehmen wir den Arbeitsschutz an Schulen stärker in den Blick.
Die Leitung von Schulen wird immer anspruchsvoller. Steigende Anforderungen,
wachsende Verwaltungsaufgaben und ein zunehmender Fachkräftemangel machen es
schwerer, geeignete Personen für diese verantwortungsvolle Aufgabe zu gewinnen
und zu halten, gerade an Grundschulen. Wir wollen die Schulleitungen bei
administrativen Aufgaben entlasten. Dazu wollen wir zusammen mit den
Schulträgern einen erneuten Anlauf unternehmen, Verwaltungskräfte zur Entlastung
der Schulleitungen zu etablieren. Gleichzeitig soll evaluiert werden, welche
bürokratischen Aufgaben von Schulleitungen reduziert werden können.
Die Zuweisung von Lehrkräftestellen orientiert sich zu stark an der SuS-Zahl
(Schüler*innenzahl) statt am tatsächlichen Bedarf. Wir wollen das ändern und
Stellen künftig stärker dort einsetzen, wo sie den größten Unterschied machen –
orientiert an dem bereits erprobten Sozialindex des Startchancenprogramms.
Schulen mit besonderen sozialen Herausforderungen, hohem Inklusionsbedarf oder
erhöhtem Förderbedarf sollen so die notwendige Unterstützung erhalten, wovon
insbesondere Grundschulen und Gemeinschaftsschulen (ohne Oberstufe) profitieren
werden. Eine wissenschaftliche Begleitung durch Hochschulen im Land soll die
Qualität sichern und Erkenntnisse für die Weiterentwicklung liefern.
Besonders in ländlichen Regionen Schleswig-Holsteins bleibt der Lehrkräftemangel
eine große Herausforderung. Die bestehenden Maßnahmen zur Gewinnung von
Lehrkräften wie Abordnung Plus und der Anwärter*innensonderzuschlag wollen wir
deshalb fortlaufend auf ihre Wirksamkeit überprüfen und gezielt
weiterentwickeln. Abordnung Plus verbessert erfolgreich die Personalsituation an
den aufnehmenden Schulen, gleichzeitig erzeugt das Modell in der jetzigen
Ausgestaltung bei den abgebenden Schulen zum Teil große personelle Verwerfungen
und stellt zudem junge Lehrkräfte vor persönliche und familiäre
Herausforderungen. Wir werden uns daher für eine Umgestaltung einsetzen, die
sozial verträglicher ist und zudem die Personalsituation an allen Schulen
gleichermaßen in den Blick nimmt. Das Modellprojekt aus Dithmarschen zeigt, dass
niedrigschwellige, regional verankerte Anlaufstellen ein wirksames Instrument
sein können, um Lehrkräfte gezielt zu gewinnen, zu vermitteln und langfristig im
ländlichen Raum zu halten. Diesen Ansatz wollen wir auf weitere Kreise mit
besonderem Bedarf ausweiten und so dazu beitragen, dass alle Schüler*innen
unabhängig vom Wohnort auf gut ausgebildete Lehrkräfte treffen. Fächer wie
Theater, Musik, Kunst oder Naturwissenschaften sollen über mobile Angebote –
etwa einen Sciencebus – auch in die Fläche getragen werden, um die Versorgung zu
sichern.
Kinder und Jugendliche haben das Recht, gesund, sicher und mit echten
Zukunftsperspektiven aufzuwachsen. Erzieher*innen, Lehrkräfte,
Schulsozialarbeit, Schulpsychologie, Jugendhilfe, Gesundheitswesen und weitere
Akteur*innen tragen gemeinsam Verantwortung für gute Bedingungen des Aufwachsens
und Lernens. Dafür brauchen wir verlässliche Strukturen, klare Zuständigkeiten
und eine enge Zusammenarbeit. Denn jeder erfolgreiche Schulabschluss, jede
verhinderte Krise und jede rechtzeitige Unterstützung verbessert Zukunftschancen
und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Schulen müssen sichere Orte für alle Kinder und Jugendlichen sowie für die dort
Beschäftigten sein. Gewalt und Mobbing beeinträchtigen Wohlbefinden, Bildung und
Teilhabe. Deshalb wollen wir Prävention weiter stärken und Schulen in
Krisensituationen schnelle und kompetente Unterstützung ermöglichen. In den
vergangenen Jahren haben wir die Strukturen zur Prävention von Kinder- und
Jugendgewalt weiterentwickelt. Dafür wurde ein Monitoring etabliert und der
Notfallwegweiser überarbeitet. Die Kooperation zwischen Polizei, Jugendhilfe und
Schule als interdisziplinäres Team wurde in vielen Kreisen gestärkt. Diesen Weg
setzen wir konsequent fort, damit Schutzkonzepte weiter gelebt werden und die
interdisziplinäre Zusammenarbeit verbessert wird. Darüber hinaus wollen wir
altersgerechte Angebote zur Gewaltprävention ausbauen: Kinder und Jugendliche
sollen lernen, Gewalt – auch in Form häuslicher Gewalt – zu erkennen, zu
benennen und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Pädagogische Fachkräfte werden wir
durch entsprechende Fort- und Weiterbildungen gezielt unterstützen. Besonders im
Blick haben wir dabei Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, die einem
erhöhten Gewaltrisiko ausgesetzt sind. Inklusive Gewaltprävention muss von
Anfang an mitgedacht werden.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt für uns auf der Prävention sexualisierter
Gewalt. Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte sind häufig erste
Ansprechpersonen in Fällen von sexualisierter Gewalt und müssen Signale und
Andeutungen erkennen und angemessen darauf reagieren können. Deshalb wollen wir
Fortbildung und Beratung in diesem Bereich ausbauen. Das aus Bundesmitteln
geförderte Forschungsprojekt „Referenzperson für schulisches Handeln im Kontext
sexuellen Kindesmissbrauchs“ wollen wir in Schleswig-Holstein verstetigen und
weiterentwickeln, um dem hohen Qualifizierungsbedarf gerecht zu werden und
qualifizierte Ansprechpersonen an Schulen zu etablieren. Unser Ziel ist es, dass
langfristig an jeder Schule mindestens eine entsprechend qualifizierte Person
zur Verfügung stehen soll.
Schulische Schutzkonzepte gegen sexualisierte Gewalt müssen gelebt und
regelmäßig weiterentwickelt werden. Dabei sind die besonderen Risiken und
Bedarfe von Schüler*innen mit Behinderungen konsequent zu berücksichtigen. Wir
wollen deshalb die Umsetzung und Qualität der Schutzkonzepte regelmäßig
stichprobenartig überprüfen und Schulen bei ihrer Weiterentwicklung fachlich
unterstützen.
Für schwere Krisen und Gefährdungslagen wollen wir in jedem Kreis und jeder
kreisfreien Stadt verlässliche interdisziplinäre Strukturen schaffen.
Schulpsychologie, Schulsozialarbeit, Jugendhilfe, Polizei, Notfallseelsorge und
Schulverwaltung müssen dafür eng zusammenarbeiten. Die bestehenden
Kooperationskreise nach § 12 des Kinderschutzgesetzes Schleswig-Holstein wollen
wir evaluieren, stärken und bei Bedarf stärker auf Krisenprävention und -
intervention ausrichten.
Schulen sind häufig einer der ersten Orte, an denen Belastungen und Krisen
sichtbar werden, und damit zentral für Prävention und frühe Unterstützung. Wir
haben die Stellen des Schulpsychologischen Diensts in den letzten Jahren deshalb
deutlich ausgebaut und ihre Finanzierung gesichert. Fortbildungen für Lehrkräfte
und weitere pädagogische Fachkräfte zu psychischer Gesundheit und
Krisenintervention werden wir weiter unterstützen. Bewährte Programme wie
„Verrückt? Na und! – Seelisch fit in der Schule“, „MindMatters“ und „TiK-SH“
wollen wir weiter unterstützen. Auch die Erfahrungen aus dem Bundesprogramm der
Mental Health Coaches wollen wir aufgreifen und erfolgreiche Ansätze möglichst
dauerhaft an Schulen in Schleswig-Holstein verankern
Zugleich wollen wir Schulabsentismus stärker in den Blick nehmen. Die
Erkenntnisse des Forschungsprojekts „SANSCHO: Schulbesuch und Schulabbruch in
Schleswig-Holstein“ wollen wir deshalb für die Weiterentwicklung von
Präventions- und Interventionskonzepten nutzen. Schulen sollen Warnsignale
frühzeitig erkennen und gemeinsam mit anderen zuständigen Stellen handeln
können.
Auch Kinder und Jugendliche, die regelmäßig Pflege- und Unterstützungsaufgaben
für Angehörige übernehmen – sogenannte „Young Carers“ – brauchen besondere
Aufmerksamkeit. Die Erkenntnisse des Forschungsprojekts „EduCarePaths“ wollen
wir nutzen, um diese jungen Menschen im Schulalltag besser zu erkennen und
bedarfsgerechte Unterstützungsstrukturen weiterzuentwickeln. Außerdem wollen wir
uns analog zu Bestrebungen in anderen Bundesländern dafür einsetzen, dass wir
die Anzahl der „Young Carers“ in unseren Bildungsinstitutionen ermitteln.
Aufgabe eines inklusiven Bildungssystems ist es, die Lernbedingungen so zu
gestalten, dass alle teilhaben können. Deshalb wollen wir die Schulpflicht
weiterentwickeln und den Blick stärker auf das Recht auf Bildung richten. Die in
dieser Legislaturperiode getroffene schulgesetzliche Regelung für Kinder in
Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe werden wir auf ihre Wirksamkeit hin
evaluieren.
Inklusion ist kein Projekt, das irgendwann abgeschlossen ist, sondern eine
dauerhafte Aufgabe der Schulentwicklung. Inklusive Didaktik, der Umgang mit
unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, eine wertschätzende Haltung gegenüber
Vielfalt und interprofessionelle Zusammenarbeit müssen selbstverständlicher
Bestandteil aller Lehramtsstudiengänge und des Vorbereitungsdienstes sein.
Ergänzend braucht es regelmäßige Fortbildungen und unkomplizierte
Beratungsangebote. Menschen mit Behinderungen wollen wir von Anfang an als
Expert*innen in eigener Sache und gleichwertige Partner*innen an der
Weiterentwicklung inklusiver Bildung beteiligen.
Schulbegleitung wollen wir stärker als Teil gemeinsamer Unterstützungsstrukturen
denken. Pooling-Modelle ermöglichen es, Schulbegleitungen nicht ausschließlich
einzelnen Schüler*innen zuzuordnen, sondern Unterstützung flexibel dort
einzusetzen, wo sie im Schulalltag benötigt wird. Solche Modelle wollen wir
gemeinsam mit Schulen und Trägern weiterentwickeln und verlässliche
Rahmenbedingungen für ihren Einsatz schaffen. Gleichzeitig muss der individuelle
Anspruch auf Unterstützung gewahrt bleiben. Insbesondere Kinder und Jugendliche
mit komplexen Unterstützungsbedarfen müssen weiterhin verlässlich eine
individuelle Einzelfallhilfe erhalten können. Eltern und Schulen dürfen dabei
nicht mit umfangreichen Nachweis- und Begründungspflichten belastet werden, um
einen erkennbaren individuellen Unterstützungsbedarf immer wieder neu nachweisen
zu müssen.
Viele Schulen erleben, dass mehr Kinder und Jugendliche intensive oder
spezifische Unterstützung benötigen. Dafür stärken wir insbesondere die
Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe. Wo es notwendig ist, sollen temporäre
intensivpädagogische Maßnahmen an den Schulstandorten als Teil eines abgestuften
und bedarfsgerechten Unterstützungssystems zur Verfügung stehen. Gleichzeitig
wollen wir früher ansetzen. Erziehungsberatung wollen wir als niedrigschwelliges
Angebot stärker mit KiTas verzahnen und Elternbildungsangebote ausbauen.
Immer wieder werden Schüler*innen, häufig solche mit sonderpädagogischem
Förderbedarf oder Unterstützungsbedarf im emotional-sozialen Bereich, vorzeitig
nach Hause geschickt oder dauerhaft verkürzt beschult. Wir wollen deshalb
Transparenz schaffen: Verkürzte Beschulungen müssen künftig systematisch und
verbindlich dokumentiert werden – analog zur Erfassung krankheitsbedingter
Fehlzeiten. Nur wenn sichtbar ist, wo und in welchem Umfang Unterricht reduziert
wird, können Ursachen erkannt und geeignete Unterstützungsmaßnahmen entwickelt
werden.
Auch die Weiterentwicklung der Förderzentren muss sich konsequent an den
Grundsätzen inklusiver Bildung und der Behindertenrechtskonvention der Vereinten
Nationen (UN) orientieren. Unser Ziel ist, Förderzentren und allgemeinbildende
Schulen schrittweise zu inklusiven Bildungszentren weiterzuentwickeln, in denen
Expertise gebündelt wird und gemeinsames Lernen für alle Schüler*innen
ermöglicht wird.
Inklusive Bildung braucht Gebäude und Lernräume, die gemeinsames Lernen
tatsächlich ermöglichen. Wir wollen dahereinen verbindlichen Rahmen für die
Schulbauplanung entwickeln, der Barrierefreiheit, Differenzierungsräume und
unterschiedliche Förder- und Unterstützungsbedarfe von Anfang an berücksichtigt.
Inklusive Standards müssen bei Neubauten und Sanierungen selbstverständlich
mitgedacht werden.
Doch Barrierefreiheit endet nicht bei Schulgebäuden. Sie bedeutet auch, dass
Kommunikation und Unterricht für alle Schüler*innen zugänglich
sind.Gebärdensprache ist für gehörlose und schwerhörige Schüler*innen eine
wichtige Voraussetzung für Kommunikation, Lernen und gleichberechtigte Teilhabe.
Wir wollen deshalb die Deutsche Gebärdensprache an unseren Schulen stärken,
indem wir geeignete Unterrichts- und Informationsmaterialien bereitstellen und
Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und weitere pädagogische Fachkräfte
ausbauen.
Wir wollen den Anspruch auf notwendige assistive Medien und Technologien als
verbindliches Teilhaberecht im Schulgesetz verankern. Beschaffungsverfahren für
notwendige Hard- und Software müssen beschleunigt und Zuständigkeiten klar
geregelt werden. Dabei wollen wir auch Open-Source-Lösungen nutzen, wo sie
geeignete und nachhaltige Teilhabe ermöglichen. Gemeinsam mit den
Datenschutzbehörden wollen wir praxistaugliche Lösungen entwickeln, damit
Datenschutz und Bildungsteilhabe Hand in Hand gehen.
Inklusive Bildung bedeutet auch, unterschiedliche Wege zum Bildungserfolg zu
ermöglichen. Ansätze wie das Produktive Lernen, das praktische
Arbeitserfahrungen und schulisches Lernen miteinander verbindet, sowie flexible
Klassenmodelle für Jugendliche mit besonderen Bedarfen wollen wir
weiterentwickeln und bedarfsgerecht ausbauen.
Campusklassen können dabei insbesondere für Schüler*innen mit den
Förderschwerpunkten „Geistige Entwicklung“ oder „Körperliche und motorische
Entwicklung“ eine Übergangslösung auf dem Weg zu mehr gemeinsamem Lernen sein.
Entscheidend ist für uns, dass Campusklassen kein Ersatz für die
Weiterentwicklung inklusiver Strukturen sind, sondern diese unterstützen.
Jeder Bildungsweg verdient Anerkennung. Förderschulabschlüsse müssen als
vollwertige Voraussetzung für berufliche Orientierung, Ausbildung und weitere
Bildungswege anerkannt werden. Kompetenzen, die in Förderzentren, Berufsschulen
oder Werkstätten erworben werden, wollen wir durch transparente und einheitliche
Zertifikate sichtbar machen.
Der Übergang von der Schule in den Beruf ist für viele junge Menschen mit
Behinderungen oder sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf eine besonders
vulnerable Phase. Deshalb wollen wir alle pädagogischen Fachkräfte im Bereich
der Berufsvorbereitung stärker für die Bedarfe von Menschen mit Behinderungen
qualifizieren – denn inklusive Übergänge gelingen nur, wenn das gesamte Team
einer Einrichtung befähigt ist, individuell zu unterstützen. Den eingeschlagenen
Weg der frühzeitigen Berufswegekonferenzen wollen wir dabei fortführen und
landesweit ausrollen. Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, reguläre
Ausbildungsberufe gezielt für Jugendliche mit Behinderungen zu öffnen.
Demokratie lebt davon, dass Menschen erfahren: Meine Stimme zählt, mein Handeln
wirkt, ich kann Gesellschaft mitgestalten. Diese Erfahrung muss früh beginnen –
Kitas, Schulen, Berufsschulen, Hochschulen, Vereine und Jugendorganisationen
sind zentrale Orte demokratischer Praxis. Schüler*innen sollen Schule aktiv
mitgestalten können – kompetenz- und altersgerecht, verbindlich und mit echten
Entscheidungsmöglichkeiten. Klassenräte sind in vielen Schulen bereits als
festes und regelmäßiges Format verankert.
Das eingeführte Schüler*innenfeedback wollen wir evaluieren und
weiterentwickeln, so dass Lehrkräfte und Schulleitungen die Rückmeldungen von
Schüler*innen ernsthaft in Schulentwicklung, Unterrichtsgestaltung und
Alltagspraxis einbeziehen. Beteiligung darf nicht symbolisch bleiben, sondern
muss wirksam werden. Kinder lernen früh, ihre Interessen zu vertreten,
Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Partizipation muss für alle Schüler*innen zugänglich sein. Deshalb wollen wir
politische Bildung und demokratische Beteiligung an Förderzentren gezielt im
Rahmen eines Forschungsprojekts stärken. Auch Schüler*innen aus Förderzentren
brauchen eine wirksame Interessenvertretung auf Landesebene und sollen
systematisch in die bestehenden Beteiligungsstrukturen einbezogen werden
In dieser Legislatur haben wir den Wirtschaft/Politik-Unterricht deutlich
ausgeweitet und zwei Stunden mehr zur Verfügung gestellt. Doch Demokratiebildung
darf nicht auf einzelne Unterrichtsstunden oder Fächer beschränkt bleiben. Wir
wollen Demokratiebildung, Medienkompetenz und soziale Handlungsfähigkeit als
verbindliche fächerübergreifende Querschnittsaufgabe in allen Schulformen und
Jahrgangsstufen stärken. Schulungen zur Prävention von Rechtsextremismus, Hass
und Hetze sowie zur Stärkung demokratischer Haltung sollen fester Bestandteil
des Schullebens werden.
Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte müssen sicher mit rechtsextremen
Äußerungen, Symbolen und Vorfällen umgehen können und dabei schnell fachkundige
Unterstützung erhalten. Deshalb wollen wir Beratungs- und Unterstützungsangebote
gegen Extremismus stärken und flächendeckend verfügbar machen. Wir wollen die
regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus Schleswig-Holstein (RBTSH)
auskömmlich finanzieren und ihre Arbeit auf das gesamte Land ausweiten. Ziel ist
eine niedrigschwellige und kurzfristig erreichbare Beratung für Lehrkräfte und
alle Menschen in Bildungseinrichtungen, die mit rechtsextremen Vorfällen
konfrontiert sind. Keine Schule in Schleswig-Holstein soll in solchen
Situationen ohne fachkundige Unterstützung dastehen.
In den letzten Jahren hat Schule einen immensen Digitalisierungsschub erfahren
und der Unterricht sich dadurch stark verändert – und die Entwicklung geht
weiter. In einer zunehmend digitalisierten Welt ist ein grundlegendes
Verständnis informatischer Zusammenhänge für alle Kinder und Jugendlichen
unverzichtbar. Wir wollen, dass alle Schüler*innen nicht nur digitale
Anwendungen nutzen, sondern die Technologien dahinter wirklich verstehen und
aktiv mitgestalten können. Deshalb haben wir in dieser Legislaturperiode das
Fach Informatik verpflichtend an allen weiterführenden Schulen eingeführt.
Den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Unterricht gestalten wir aktiv und
verantwortungsvoll. Wir werden den Einsatz von KI-Chatbots auch durch gezielte
Fortbildungen und Materialien weiter fördern. Wir bevorzugen dabei quelloffene
Modelle sowie europäisch gehostete Anwendungen, die auf Landesservern betrieben
werden können, um Datenschutz und digitale Souveränität zu wahren. Bei der
Auswahl der eingesetzten Werkzeuge achten wir darauf, dass bestehende
Diskriminierungsmuster nicht durch die zugrundeliegenden Trainingsdaten
verstärkt werden. Lehrkräfte werden durch gezielte Fort- und
Weiterbildungsangebote dabei unterstützt, diese Technologien sinnvoll und
kritisch in den Unterricht zu integrieren. Wir werden neue Prüfungsformate an
Schulen unterstützen, die den Einsatz Künstlicher Intelligenz klar
berücksichtigen und Zukunftskompetenzen fördern.
Mit der Digitalisierung sind neben neuen Chancen auch Herausforderungen
entstanden: Nutzung von „Künstlicher Intelligenz“ (KI) und Social Media, der
Umgang mit Desinformation, Ablenkung und steigende Bildschirmzeiten von
Schüler*innen. Unser Ziel ist es, junge Menschen und alle Bürger*innen in die
Lage zu versetzen, Informationen kritisch zu bewerten, Manipulationsstrategien
zu erkennen und souverän mit digitalen Medien umzugehen. Phänomene wie Hate
Speech, Fake News und Verschwörungserzählungen müssen dabei ebenso Bestandteil
des Unterrichts sein wie die Vermittlung von Orientierungskompetenz in einer
zunehmend komplexen Medienlandschaft. Bestehende Handreichungen und
Unterrichtsmaterialien werden wir systematisch weiterentwickeln, aktualisieren
und an wissenschaftliche Erkenntnisse anpassen.
Vom Land finanzierte Aufklärungsangebote – etwa niedrigschwellige
Informationsformate oder Elternabende – sollen dazu beitragen, Familien für
Chancen und Risiken digitaler Medien zu sensibilisieren. Bestehende Angebote wie
die Kurse des Offenen Kanals sollen dabei einbezogen und bedarfsgerecht
weiterentwickelt werden.
Digitale Medien sind aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken, doch für ihre
Nutzung braucht es klare Regeln und Grenzen. Die in der aktuellen
Legislaturperiode getroffenen schulgesetzlichen Regelungen zum Umgang mit
digitalen Endgeräten an Schulen, die die Nutzung von z. B. Smartphones für
Grundschule und Mittelstufe einschränken, haben sich bewährt und wir wollen sie
beibehalten.
Freie Software schafft dafür bessere Voraussetzungen, weil sie leichter
zugänglich ist und Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern und steigende
Lizenzkosten verringert. Deshalb wollen wir, dass Open-Source-Software an
Schleswig-Holsteins Schulen schrittweise zum Standard wird. Den Umstieg auf
freie Software wollen wir gemeinsam mit den Schulträgern gestalten und aktiv
unterstützen. Auf diese Weise führen wir unsere Schüler*innen bereits vom Beginn
ihrer Bildungskarriere an Maßnahmen zur Stärkung ihrer digitalen Souveränität
heran, senken vermeidbare Lizenzkosten und stärken die langfristige Nutzung von
Hardware.
Digitale Endgeräte für Lehrkräfte dürfen nicht pauschal nach festen
Zeitintervallen ausgetauscht werden, wenn sie noch funktionsfähig sind. Wir
setzen uns dafür ein, Austauschzyklen künftig am tatsächlichen Zustand und
Bedarf der Geräte auszurichten – im Sinne einer konsequenten Green-IT-Politik
und eines verantwortungsvollen Umgangs mit öffentlichen Mitteln. Geräte, die
nicht mehr für den Unterrichtseinsatz geeignet sind, sollen nicht einfach
entsorgt werden. Wir wollen ein landesweites Weitergabe-Modell etablieren:
Ausgemusterte Endgeräte werden professionell aufbereitet und anschließend in
einen Pool überführt, aus dem heraus die Geräte einer weiteren Verwendung
zugeführt werden.
Uns leitet in der Schulentwicklung der Grundsatz: Schulen brauchen die Freiheit
vor Ort, die Lösungen zu entwickeln, die zu ihrer Schulgemeinschaft passen. Wir
vertrauen in die professionelle Arbeit der Schulen und möchten ihnen mehr
Autonomie vor Ort geben. Voraussetzung für gute Bildungsbiografien sind
glückliche, mental gesunde Schüler*innen, die gerne zur Schule gehen, und
Lehrkräfte, die mit ausreichend Ressourcen ausgestattet und den richtigen
Rahmenbedingungen ihrem Beruf gerne nachgehen, um das zu machen, wofür wir sie
ausbilden.
Wir wollen Schulen ermutigen, neue Wege zu beschreiten, denn wir sehen, dass
sich etwas ändern muss. Das können offene Lernformen sein, mehr Raum für
Projektarbeit und fächerübergreifendes Lernen, Lernbegleitung statt
Frontalunterricht, Schüler*innenorientierung statt Lehrplan-Takt – es gibt
bereits zahlreiche erfolgreiche Beispiele aus der Praxis, beispielsweise die
Schulpreisträger-Schulen in Schleswig-Holstein.
Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Experimentierklausel, die wir
2023 eingeführt haben. Sie ermöglicht es Schulen rechtssicher neue
Unterrichtskonzepte zu erproben. Diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen.
Wir GRÜNE setzen uns für ein Innovationsbudget für Schulentwicklung ein. Dadurch
sollen Schulen, die etwas verändern wollen, Unterstützung in ihrem
Schulentwicklungsprozess erhalten. Gleichzeitig soll diese Schulentwicklung
inhaltlich vom Bildungsministerium begleitet und gefördert werden und auch
Erkenntnisse aus dem förderalen Austausch einbeziehen.
Wir wollen außerdem eine Fortbildungsreihe etablieren, die Hospitationen an
unterschiedlichen Schulen in Schleswig-Holstein beinhaltet, sodass erfolgreiche
Konzepte weitergegeben werden. Denn nicht jede Schule muss bei Null anfangen:
Voneinander zu lernen und funktionierende Ideen zu kopieren spart Ressourcen.
Best-Practice-Beispiele ermutigen außerdem und helfen, Vorbehalte abzubauen.
Denn häufig sind sich Lehrkräfte und Schulleitung einig, dass es Veränderung
braucht – doch der Weg dorthin ist oft nicht klar und es stehen zu wenig
Ressourcen zur Verfügung.
Schule soll ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche ihre Stärken entdecken
und sich ohne Angst entfalten können. Konstruktives, ermutigendes Feedback
spielt dabei eine zentrale Rolle – es befähigt Schüler*innen, sich
weiterzuentwickeln und Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen.
Deshalb wollen wir die Lern- und Prüfungskultur an unseren Schulen
weiterentwickeln zu einer Kultur des konstruktiven Feedbacks und der echten
Förderung. Wir wollen individuelle Lernentwicklungsberichte, die Kindern
konkrete Orientierung und Motivation geben, ausbauen. Die Zahl der
Leistungsnachweise haben wir in der laufenden Legislaturperiode bereits
reduziert. Diesen Weg werden wir fortsetzen und gleichzeitig neue, vielfältigere
Formen der Leistungserfassung ermöglichen, die unterschiedliche Stärken und
Kompetenzen sichtbar machen und dabei auch den Einsatz von KI berücksichtigen.
Schulen brauchen verlässliche und pädagogisch nützliche Instrumente, um
Lernprozesse zu verstehen und gezielt zu verbessern. Was sie nicht brauchen,
sind bürokratische Testverfahren, die mehr Aufwand erzeugen als Erkenntnis. Wir
wollen die datengestützte Schulentwicklung in Schleswig-Holstein daher
grundlegend weiterentwickeln und dabei konsequent auf individuelle
Lernfortschritte und das Wohlbefinden der Schüler*innen ausrichten. Unser Ziel
ist ein Instrument, das Schulen konkrete Steuerungsinformationen liefert: Dabei
setzen wir auf eine Längsschnittperspektive, die individuelle Lernbiografien
sichtbar macht und auch qualitative Aspekte wie Motivation sowie die soziale und
emotionale Entwicklung einbezieht. Hamburg gilt in Deutschland als Vorreiter bei
der systematischen Nutzung von Bildungsdaten. Wir wollen diese Expertise auch
für Schleswig-Holstein nutzbar machen und setzen uns für eine institutionelle
Kooperation mit dem Hamburger Institut für Bildungsdatenanalyse ein. So können
wir Synergien zwischen beiden Bildungssystemen heben, ohne ein kostenintensives
eigenes Institut aufzubauen.
Ein eng getakteter Schultag steht eigenverantwortlichem Arbeiten und
individueller Vertiefung oft im Weg. Wir setzen uns deshalb für eine
grundlegende Reform der Stundentafel ein, die Schulen deutlich mehr pädagogische
Freiheit gibt. Statt eines starren Rasters sollen Schulen künftig ein
Gesamtstundenbudget erhalten, das sie nach eigenen Schwerpunkten und den
Bedürfnissen ihrer Schüler*innen flexibel einsetzen können. So entstehen
Freiräume für Projektarbeit, jahrgangsübergreifendes Lernen und gezielte
Begleitung einzelner Kinder und Jugendlicher.
Schule gelingt am besten als Teamarbeit verschiedener Professionen. Alle
Professionen gehören als gleichwertige Partner*innen bei der Schulentwicklung an
einen Tisch. Um diese Ideen erproben und ihre Wirksamkeit belegen zu können,
wollen wir Pilotprojekte an Gemeinschaftsschulen starten. Das Institut für
Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) soll diese Projekte
begleiten und auswerten.
Gute Bildung braucht Räume, die zu modernem Lernen passen. Aufbauend auf dem in
dieser Legislatur vorgestellten Musterraumprogramm des Landes wollen wir
gemeinsam mit den Kommunen ermitteln, wie eine landesweite Schulbauberatung
Schulen und Schulträger dabei unterstützen kann, pädagogische Anforderungen
frühzeitig in Planung, Sanierung und Neubau einzubeziehen.
Starke Hochschulen brauchen verlässliche Grundlagen. Hochschulen sind das
Fundament für Forschung, Innovation und gesellschaftlichen Fortschritt – und sie
brauchen dafür verlässliche Rahmenbedingungen, sowohl personell als auch
finanziell. Wir stehen deshalb für eine nachhaltige und gerechte
Hochschulfinanzierung. Hochschulen, Forschung und Lehre müssen finanziell und
politisch unabhängig sein. Das ist eine demokratische und wissenschaftliche
Notwendigkeit. Im Rahmen der Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit den
Hochschulen wollen wir die Finanzierungsstrukturen weiterentwickeln und dabei
stärker auf transparente und faire Leistungskriterien setzen – und weg von einer
reinen Orientierung an Studierendenzahlen, die durch den demografischen Wandel
ohnehin sinken werden. Qualität von Lehre, gute Arbeitsbedingungen an den
Hochschulen, wissenschaftliche Exzellenz und gesellschaftlicher Transfer sollen
dabei eine wichtige Rolle spielen. Wir werden zudem prüfen, wie Hochschulen
durch den Aufbau von Stiftungsvermögen und andere ergänzende Instrumente
finanziell resilienter werden können – ohne dass diese die öffentliche
Grundfinanzierung ersetzen oder akademische Freiheit untergraben.
Unsere Hochschulen sind Motoren für Innovation, Fachkräftesicherung und
gleichwertige Lebensverhältnisse im ganzen Land. Die Fachhochschule Westküste
ist mit dem Deutschen Institut für Tourismusforschung ein wichtiger Wirtschafts-
und Bildungsstandort für die Region. Mit dem neuen Studiengang Soziale Arbeit an
der Fachhochschule Westküste haben wir eine Lücke für die Fachkräfteausbildung
im Südwesten unseres Landes geschlossen. Dies ist ein wichtiger Schritt für die
Region, den wir verstetigen wollen.
Studierende müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Ausbildungsförderung
pünktlich und zuverlässig ankommt. Lange Bearbeitungszeiten bei BAföG-Anträgen
gefährden die Existenzgrundlage junger Menschen mitten in ihrer Ausbildung. Wir
GRÜNEN wollen den BAföG-Vollzug in Schleswig-Holstein modernisieren,
vereinfachen und beschleunigen. Darüber hinaus wollen wir eine
Bearbeitungsgarantie von drei Monaten auf den Weg bringen. Auf Bundesebene
setzen wir uns dafür ein, dass das BAföG künftig elternunabhängig ausgestaltet
wird.
Noch immer sind Studierende aus nicht-akademischen Elternhäusern mit
strukturellen Hürden konfrontiert, die ihre Bildungschancen erheblich
beeinflussen: fehlende Netzwerke, mangelnde Kenntnis von Förderangeboten und das
verbreitete Gefühl, an der Hochschule nicht am richtigen Ort zu sein. Wir wollen
deshalb Unterstützungsstrukturen für Studierende aufbauen, die als Erste in
ihrer Familie ein Studium aufnehmen und die Studierendenstarthilfe bekannter
machen.
Steigende Semesterbeiträge dürfen nicht zur sozialen Zugangshürde zum Studium
werden. Die Verwaltungsgebühren wollen wir abschaffen. Der wachsende
Kostenanteil des Deutschlandtickets im Semesterbeitrag belastet Studierende
zunehmend – und mit jedem Preisanstieg beim Deutschlandticket wächst dieser
Druck. Wir wollen sicherstellen, dass klimafreundliche Mobilität nicht am
Geldbeutel scheitert. Deshalb setzen wir uns dafür ein, den Kostenbeitrag für
das Deutschlandticket im Semesterbeitrag zu deckeln und Mehrkosten
perspektivisch über Landesmittel auszugleichen. Gleiches gilt für Auszubildende:
Auch ihr Beitrag zum Deutschlandticket soll sozial verträglich begrenzt werden.
So stärken wir die Mobilität junger Menschen im ganzen Land und sichern, dass
klimafreundliche Mobilität für alle erschwinglich bleibt. Auf Bundesebene werden
wir uns für eine dauerhafte Stabilisierung des D-Ticket-Preises und für
verlässliche Finanzierungszusagen des Bundes einsetzen. Zugleich drängen wir auf
eine strukturierte Einigung zwischen Verkehrsunternehmen, Ländern,
Studierendenvertretungen und Sozialpartnern, damit Solidarmodelle wie das
Semesterticket dauerhaft gesichert werden.
Bezahlbarer Wohnraum ist für Studierende in Schleswig-Holstein seit Jahren
Mangelware, und der Druck steigt weiter. Wachsende Studierendenzahlen,
zunehmende Internationalisierung und immer höhere Mieten in den Hochschulstädten
machen entschlossenes Handeln unerlässlich. Wir wollen, dass Studieren in
Schleswig-Holstein keine Frage des Geldbeutels ist. Deshalb werden wir eine
Bauoffensive für junges und bezahlbares Wohnen starten und die Landesmittel für
das Studierendenwerk Schleswig-Holstein deutlich aufstocken – sowohl für den
Neubau von Wohnheimen als auch für deren energetische Sanierung. Dabei ist für
uns selbstverständlich: Neu gebauter Wohnraum muss von Anfang an barrierefrei
gestaltet sein, damit er wirklich allen Studierenden offensteht.
Eine warme Mahlzeit am Tag muss für alle Studierenden selbstverständlich sein –
unabhängig vom Kontostand. Deshalb haben wir in dieser Legislaturperiode die
laufenden Zuschüsse für die Mensen des Studierendenwerks Schleswig-Holstein
erhöht, um die Preisstabilität dauerhaft zu sichern. Das Studierendenwerk
Schleswig-Holstein leistet unverzichtbare Arbeit für die soziale Infrastruktur
an unseren Hochschulen. Wir werden es dabei finanziell verlässlich unterstützen.
Prekäre Beschäftigung, Kurzverträge und tariffreie Räume haben an unseren
Hochschulen keinen Platz. Hochschulen müssen faire Arbeitgeber sein – für alle,
die dort arbeiten. Wir setzen uns dafür ein, dass sich die Landesregierung in
der Tarifgemeinschaft der Länder aktiv für einen flächendeckenden Tarifvertrag
für studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte einsetzt. Gute Wissenschaft
braucht gute Arbeitsbedingungen. Wir halten am Grundsatz „Dauerstellen für
Daueraufgaben“ fest und wollen ihn konsequent umsetzen. Dafür setzen wir uns für
eine Steigerung des Anteils unbefristeter Beschäftigungsverhältnisse im
wissenschaftlichen und künstlerischen Personal ein – an Universitäten,
Fachhochschulen, Kunsthochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen
in Schleswig-Holstein. Mehr unbefristete Stellen bedeuten mehr Planbarkeit für
Forschungskarrieren, mehr Vielfalt im Wissenschaftssystem und mehr Raum für
mutige, langfristige Forschung. Sie stärken die Stimme derjenigen, die unterhalb
der Professur arbeiten, und sie verringern strukturell begünstigten
Machtmissbrauch. Hochschulen, die nach wie vor von homogenen Machtverhältnissen
geprägt sind, können ihr volles gesellschaftliches Potenzial nicht entfalten.
Damit Machtmissbrauch wirksam bekämpft werden kann, haben wir in dieser
Legislaturperiode eine unabhängige Vertrauensanwaltsstelle eingerichtet. Diese
Stelle soll als niedrigschwellige, vertrauliche Beschwerde- und Beratungsinstanz
fungieren und das bestehende Angebot sinnvoll ergänzen.
Wir wollen gesellschaftliche Diskussionen zur Verwendung von KI und zu ethischen
Grenzen vorantreiben. Dafür setzen wir uns für den weiteren Ausbau von KI-
Forschung und -Professuren an Schleswig-Holsteins Hochschulen ein – insbesondere
an der Schnittstelle von Informatik und Gesellschaftswissenschaften.
Hochschulen müssen Orte sein, an denen alle Menschen – unabhängig von Herkunft,
Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung, Religion, sozialer Lage oder
anderer Merkmale – gleichberechtigt forschen, lehren und studieren können.
Diskriminierung, Machtmissbrauch und strukturelle Ungleichbehandlung haben an
Hochschulen keinen Platz. Wir werden daher gemeinsam mit den Hochschulen und
ihren Statusgruppen eine landesweite Diversitätsstrategie entwickeln, die
Vielfalt als Stärke begreift und konkrete Maßnahmen für ein
diskriminierungsfreies Umfeld verankert. Klare Compliance-Richtlinien schaffen
verbindliche Standards für integres Verhalten, faire Verfahren und wirksamen
Schutz für Betroffene und Hinweisgeber*innen und werden über Zielvereinbarungen
zwischen Land und Hochschulen abgesichert. Beratungs- und Begleitangebote bauen
wir bedarfsgerecht aus – mit niedrigschwelliger Erst- und Verweisberatung als
erstem Anlaufpunkt, die vertraulich arbeitet und unabhängig agieren kann.
Hochschulinterne Beschwerdestellen und Ombudspersonen stärken wir, sichern ihre
Unabhängigkeit und verpflichten sie zur statistischen Erfassung von
Beschwerdemustern, damit Problemlagen sichtbar werden und gezielte Maßnahmen
folgen können. Der wissenschaftliche Nachwuchs braucht unabhängige Stellen, die
für Referenzen und Förderung Verantwortung übernehmen und Unterstützung
vermitteln können, damit die Abhängigkeit von Vorgesetzten nicht zur
Karrierefalle wird.
Wir wollen, dass feministische und intersektionale Perspektiven in Forschung,
Lehre und Hochschulstrukturen systematisch gestärkt werden. Die Repräsentanz von
Frauen und marginalisierten Gruppen in Führungspositionen, Gremien und bei
Professuren muss deutlich erhöht werden. Bei der Besetzung von Professuren und
Leitungsfunktionen werden wir auf eine konsequente Umsetzung der
Gleichstellungsziele aus dem Hochschulgesetz achten und darauf hinwirken, dass
der Anteil von Frauen signifikant erhöht wird. Die Familienplanung soll jungen
Wissenschaftler*innen jederzeit möglich sein. Daher werden wir anderen
Bundesländern folgen und gezielte Förderprogramme für Mütter in der
Wissenschaft, besonders in der Promotions- und Postdoc-Phase aufbauen. Wir
wollen, dass Hochschulen in Schleswig-Holstein zu Orten werden, an denen
Diversität aktiv gelebt wird – in der Personalstruktur, in den Lehrplänen und in
der Forschungsagenda.
Hochschulabschlüsse müssen sich in der Praxis bewähren – unabhängig davon, ob
sie an einer Fachhochschule oder einer Universität erworben wurden. Wir setzen
uns dafür ein, dass die tarifliche Eingruppierung im öffentlichen Dienst
(Tarifvertrag der Länder, kurz TV-L) stärker an der tatsächlich ausgeübten
Tätigkeit und den nachgewiesenen Kompetenzen ausgerichtet wird und nicht allein
an der formalen Herkunft des Abschlusses. Bestehende strukturelle Nachteile für
Absolvent*innen von Fachhochschulen wollen wir abbauen. Wir wollen die
Durchlässigkeit im Hochschulsystem stärken und dafür sorgen, dass Leistung und
Kompetenz zählen – nicht der Stempel auf dem Abschlusszeugnis.
Schleswig-Holstein will im globalen Wettbewerb um die besten Köpfe bestehen –
doch dafür muss Willkommenskultur auch in den Hochschulverwaltungen gelebte
Realität werden. Internationale Studierende und Wissenschaftler*innen, die unser
Land mit ihren Perspektiven und Fähigkeiten bereichern, dürfen nicht an
bürokratischen Sprachbarrieren scheitern. Wir wollen den bereits eingeschlagenen
Weg zur Vereinfachung der Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse
konsequent weiterentwickeln und auf eine schnellere, unbürokratischere Prüfung
hinarbeiten. Hochschulen mit internationalen Studiengängen unterstützen wir
dabei, ihre Verwaltungsstrukturen mehrsprachig und diskriminierungsfrei zu
gestalten. Wir wollen Hochschulen ermutigen und darin unterstützen,
entsprechende Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote für ihre
Mitarbeiter*innen zu schaffen und dauerhaft zu verankern.
Schleswig-Holsteins Hochschulen sind weit mehr als Bildungs- und
Forschungszentren – sie sind Brücken nach Europa, die Studierende, Forschende
und Verwaltungen über Grenzen hinweg vernetzen. Europäische Hochschulallianzen
sind ein zentrales Instrument, um gemeinsame Bildungs- und Forschungsräume über
nationale Grenzen hinweg zu gestalten. Schleswig-Holstein ist mit seiner
traditionell grenzüberschreitenden Ausrichtung und seiner geografischen Lage im
Herzen des europäischen Nordens geradezu prädestiniert, an diesen Allianzen
aktiv mitzuwirken und eine gestaltende Rolle einzunehmen. Wir wollen die
Beteiligung schleswig-holsteinischer Hochschulen an europäischen
Hochschulallianzen – wie etwa der EMERGE-Allianz – langfristig strukturell
absichern.
Die duale Ausbildung gehört zu den größten Stärken unseres Bildungssystems. Sie
ist Motor für Fachkräftesicherung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und
wirtschaftliche Innovationskraft. Wir wollen sie ausbauen, wo es sinnvoll ist,
und sie zugleich attraktiver und gerechter gestalten. Schüler*innen, Eltern und
pädagogische Fachkräfte sollen umfassend und niedrigschwellig über bestehende
Unterstützungsangebote informiert werden – etwa über Angebote der Agentur für
Arbeit, der Jugendberufsagenturen und weiterer Akteur*innen.
Das Azubiwerk, das wir in dieser Wahlperiode in Schleswig-Holstein auf den Weg
gebracht haben ist eine wichtige Starthilfe für junge Menschen, die eine
Ausbildung machen. Diesen Erfolg wollen wir verstetigen, regelmäßig evaluieren
und weiter ausbauen. Das Azubiwerk soll Auszubildenden im ganzen Land
Unterstützung, Vernetzung und Beratung sowie Wohnraum bieten und sich
langfristig zur zentralen Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Ausbildung
entwickeln. Wir wollen beim Azubiwerk eine Ombudsstelle verankern. Sie soll
jungen Menschen bei Konflikten mit ihrem Ausbildungsbetrieb schnell, vertraulich
und unbürokratisch helfen. Dazu gehört, unabhängig zu beraten, an Gewerkschaften
und andere Unterstützungsangebote zu vermitteln und bei Bedarf auch mit
zuständigen Aufsichtsbehörden wie dem Gewerbeaufsichtsamt zusammenzuarbeiten.
Darüber hinaus setzen wir uns für eine landesweite Azubi-Vertretung ein. Sie
soll Auszubildenden eine starke und offizielle Stimme in der Bildungs- und
Arbeitspolitik des Landes geben. Denn wer eine Ausbildung macht, verdient nicht
nur gute Lernbedingungen, sondern auch echte Mitsprache. Wir setzen uns dafür
ein, dass Schüler*innen künftig strukturell im Kuratorium des Schleswig-
Holsteinischen Instituts für Berufliche Bildung (SHIBB) vertreten sind.
Eine gute Lehre ist das Fundament für das Handwerk von morgen. Damit nicht
allein die ausbildenden Betriebe diese Verantwortung tragen, wollen wir einen
Ausbildungsfonds auf Umlagebasis einrichten: Alle Betriebe zahlen ein, alle
profitieren – unabhängig davon, ob sie selbst Lehrlinge ausbilden. So entsteht
ein fairer Lastenausgleich, der ausbildende Betriebe entlastet und die Lehre
insgesamt attraktiver macht. Den Fonds denken wir zusammen mit dem Azubiwerk
Schleswig-Holstein. Beide Instrumente ergänzen sich: Das Azubiwerk stärkt die
Qualität der Ausbildung, die Umlagefinanzierung sorgt für eine gerechte
Verteilung der Kosten. Wir wollen, dass der Fonds auch Fahrtkosten, Unterkunft
und weitere Nebenkosten abdeckt – damit finanzielle Hürden niemanden von einer
Lehre abhalten. Die bestehenden Ansätze der Handwerkskammer nehmen wir dabei als
Vorbild und bauen auf ihren Erfahrungen auf.
Das Programm zur Ausbildungsvorbereitung Schleswig-Holstein (AVSH-I) hat sich
als wirksames Instrument erwiesen, um junge Menschen beim Übergang von der
Schule in eine Berufsausbildung zu unterstützen und Schulabbrüche zu vermeiden.
Wir wollen das Programm deshalb systematisch evaluieren, um seine Stärken und
möglichen Weiterentwicklungsbedarfe verlässlich zu erfassen. Auf dieser
Grundlage wollen wir weitere Standorte ausbauen. Dabei geht es uns besonders
darum, mehr Jugendlichen aus sozial benachteiligten Verhältnissen bessere
Chancen auf einen gelungenen Start in Ausbildung und Beruf zu eröffnen. Für uns
ist klar: Bildungsgerechtigkeit heißt, dass kein junger Mensch ohne Perspektive
zurückgelassen werden darf.
Berufliche Bildung muss überall in Schleswig-Holstein erreichbar sein –
unabhängig davon, ob jemand in Flensburg oder in einer kleinen Gemeinde in
Dithmarschen lebt. Lange Fahrtwege zu Berufsschulen sind für Auszubildende im
ländlichen Raum eine echte Belastung und können die Qualität der Ausbildung
beeinträchtigen. Wir wollen deshalb die Möglichkeiten digitaler Lehrformate in
der beruflichen Bildung gezielt weiterentwickeln. Wo es sinnvoll und pädagogisch
vertretbar ist – insbesondere bei theoretischen Lerninhalten und langen
Anfahrtswegen –, wollen wir hybride Unterrichtsmodelle an Berufsschulen
ermöglichen und ausbauen.
Lebenslanges Lernen ist eine Voraussetzung dafür, gesellschaftlichen,
technologischen und ökologischen Wandel selbstbestimmt mitzugestalten.
Weiterbildung stärkt berufliche Chancen und Fachkräftesicherung ebenso wie
Demokratie, gesellschaftliche Teilhabe und persönliche Entwicklung. Mit der
Weiterbildungsstrategie Schleswig-Holstein haben wir dafür einen umfassenden
Rahmen skizziert, den wir in den kommenden Jahren konsequent umsetzen werden.
Allgemeine, politische und kulturelle Weiterbildung werden wir damit ebenso
stärken wie berufliche Qualifizierung. Weiterbildungsberatung wollen wir noch
besser vernetzen, niedrigschwellige und mehrsprachige Zugänge ausbauen und
finanzielle Hürden für Weiterbildung senken und Anreizsysteme ergänzend zu
bereits bestehenden ausbauen.
Volkshochschulen und andere gemeinwohlorientierte Weiterbildungseinrichtungen
sind unverzichtbare Bildungsorte in Stadt und Land. Wir haben ihre Förderung
erhöht und wollen ihre flächendeckenden Strukturen, den Landesverband der
Volkshochschulen und die weiteren Einrichtungen der Erwachsenen- und
Grundbildung dauerhaft absichern.
Unser Ziel bleibt daher ein Weiterbildungsförderungsgesetz für Schleswig-
Holstein, das öffentlich verantwortete Weiterbildung auf eine verlässliche
gesetzliche und finanzielle Grundlage stellt. Dieses politische Vorhaben ist
nach wie vor offen, steht aber für Planungssicherheit auf Seiten der
Bildungsträger, breite Bildungsinfrastruktur und vor allem für gleichwertige
Bildungschancen im ganzen Land.
Enthalten sein muss darin auch das Ziel einer flächendeckenden Struktur der
Grundbildung, die wir auch über die Alpha-Dekade hinaus stärken werden: Die
bestehenden Grundbildungszentren haben sich als niedrigschwellige Anlaufstellen
bewährt, auch in dieser Legislatur konnten neue implementiert werden. Wir wollen
diese daher verstetigen, bedarfsgerecht weiterentwickeln und perspektivisch
flächendeckend ausbauen, damit Menschen überall in Schleswig-Holstein
Unterstützung beim Lesen, Schreiben, Rechnen und bei digitalen Grundkompetenzen
finden.
Darüber hinaus ist Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) für uns eine
zentrale Aufgabe der Erwachsenen- und Weiterbildung und des lebenslangen
Lernens. Wir wollen BNE und die globalen Nachhaltigkeitsziele grundsätzlich
stärker in Bildungsangeboten und in der Qualifizierung von Lehrenden und den
Strukturen der Weiterbildung verankern. Dabei geht es nicht allein um Wissen,
sondern um die Fähigkeit, gesellschaftlichen Wandel und ökologische
Transformation zu verstehen, mitzugestalten und demokratisch auszuhandeln.
Änderungsanträge
- 1.1-1117 (Landesvorstand GRÜNE JUGEND SH (dort beschlossen am: 03.09.2026), Eingereicht)