Flensburg nimmt in der Geschichte des Endes der nationalsozialistischen Herrschaft eine besondere Rolle ein. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt zum Sitz der Regierung Dönitz und zum Rückzugsort zahlreicher Akteur*innen des NS-Regimes. Diese Geschichte, aber auch die Vor- und Nachgeschichte sowie personelle und gesellschaftliche Kontinuitäten nach 1945, sind nicht allein Teil der Flensburger Stadtgeschichte, sondern von landesweiter und überregionaler Bedeutung.
Die Stadt Flensburg hat deshalb bereits 2024 die Errichtung eines Norddeutschen Vermittlungszentrums zur kritischen Aufarbeitung des Nationalsozialismus beschlossen. Inzwischen wurde eine Machbarkeitsstudie erarbeitet, mögliche Standorte wurden untersucht und die nächsten Schritte zur Entwicklung eines Vermittlungskonzepts und zur Realisierung des Projekts wurden auf den Weg gebracht.
Mit dem Vermittlungszentrum soll ein moderner Lern- und Erinnerungsort entstehen, der insbesondere auch jüngere Generationen erreicht und unterschiedliche historische Orte in Flensburg in die Vermittlungsarbeit einbezieht. Die besondere Rolle Flensburgs im Mai 1945 bietet dabei die Möglichkeit, lokale Geschichte mit zentralen Fragen der nationalsozialistischen Herrschaft, ihres Endes und ihrer Nachwirkungen zu verbinden.
Ein Projekt mit dieser Bedeutung kann jedoch nicht allein Aufgabe und finanzielle Verantwortung der Stadt Flensburg sein. Die Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus und die Sicherung einer lebendigen Erinnerungskultur sind eine gemeinsame Verantwortung von Kommunen und Land. Deshalb soll sich Schleswig-Holstein an der weiteren Entwicklung und Realisierung des Vermittlungszentrums beteiligen und eine verlässliche Mitfinanzierung ermöglichen. Damit schafft das Land Planungssicherheit und trägt dazu bei, einen für ganz Schleswig-Holstein bedeutsamen Lern- und Erinnerungsort dauerhaft zu etablieren.