Mit dem Erhalt der Bäderbahn und der politischen Zusage, auch zukünftig einen Betrieb auf der Strecke sicherzustellen, ist eine wichtige Grundlage geschaffen. Nun gilt es, daraus eine langfristige Perspektive für die Bäderbahn und das gesamte Schienennetz in der Region zu entwickeln.
Die Rahmenbedingungen haben sich seit Abschluss des Letter of Intent im Jahr 2014 erheblich verändert. Seit 2010 sind die Fahrgastzahlen auf der Bäderbahn um rund 85 Prozent gestiegen. Die Entwicklung unterstreicht die hohe Bedeutung der ortsnahen Schienenanbindung für die Bevölkerung und den Tourismus entlang der Lübecker Bucht. Gleichzeitig haben Verkehrswende und Deutschlandticket die Bedeutung attraktiver regionaler Bahnverbindungen weiter erhöht.
Auch die planerischen Voraussetzungen haben sich verändert. Die Bäderbahn soll nicht mehr vollständig vom übrigen Schienennetz abgetrennt werden. Zudem haben sich im weiteren Planungsverfahren neue Fragestellungen hinsichtlich der bisherigen Konzeption und insbesondere der zukünftigen SPNV-Erschließung der Bäderorte ergeben. Damit besteht die Chance, Bestands- und Neubaustrecke nicht länger als Alternativen zu betrachten, sondern gemeinsam als leistungsfähiges Schienensystem weiterzuentwickeln. Ein frühzeitig gesicherter Weiterbetrieb eröffnet zudem die Möglichkeit, eine mehrjährige Unterbrechung der Schienenanbindung der Bäderorte während der Übergangsphase zu vermeiden.
Eine besondere Zukunftsperspektive bietet die Regio-S-Bahn Lübeck. Die Achse Lübeck – Timmendorfer Strand – Scharbeutz – Neustadt kann ein zentraler Bestandteil dieses Systems werden. Die ortsnahen Haltepunkte der Bäderbahn erschließen die stark vom Tourismus geprägte Lübecker Bucht und können zugleich einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der Straßen leisten.
Eine 2+1-Lösung verbindet die Stärken beider Infrastrukturen: Die neue zweigleisige Schienenhinterlandanbindung schafft zusätzliche Kapazitäten für den überregionalen Personen- und Güterverkehr, während die Bäderbahn ihre besondere Stärke als ortsnahe Verbindung für den regionalen Personenverkehr ausspielen kann.
Die im Letter of Intent von 2014 zugrunde gelegte vollständige Verlagerung des Schienenpersonennahverkehrs auf die neue Strecke entspricht damit nicht mehr den heutigen verkehrlichen und planerischen Rahmenbedingungen. Der Letter of Intent sollte deshalb geändert und die gemeinsame Nutzung von Neu- und Bestandsstrecke als langfristiges Ziel verankert werden.
Unser Ziel ist nicht Neubaustrecke oder Bäderbahn, sondern Neubaustrecke und Bäderbahn.