| Veranstaltung: | Programmparteitag LTW 2027 S-H |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 1. Landtagswahlprogramm |
| Antragsteller*in: | Landesvorstand (dort beschlossen am: 02.09.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 03.09.2026, 15:20 |
1.8: Sport
Text
Sport hält unsere Gesellschaft zusammen und Menschen gesund. Viele Schleswig-
Holsteiner*innen betreiben in ihrer Freizeit Sport – ob in Vereinen,
Fitnessstudios oder selbst organisiert. Viele von ihnen engagieren sich
zusätzlich ehrenamtlich oder feuern als Fans mit Freude ihre
Lieblingssportler*innen an. Wir haben den Sport in unserem Land in den letzten
Jahren gestärkt, zum Beispiel durch die Sanierung von Sportstätten. Diesen Weg
gehen wir weiter! Ob kleines Boßelturnier oder Olympia – wir machen Schleswig-
Holstein zum führenden Sportland.
Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, den Sport in seiner Vielfalt zu stärken. Wir
unterstützen den Zukunftsplan „Sportland Schleswig-Holstein“ und setzen die 118
Handlungsempfehlungen der landesweiten Sportentwicklungsplanung konsequent
weiter um. Gemeinsam mit dem organisierten Sport, den Kommunen und den
selbstorganisiert Sporttreibenden wollen wir Schleswig-Holstein zu einem der
bewegungsfreundlichsten Länder Deutschlands machen. Wir entwickeln das
bestehende Monitoring der 118 Handlungsempfehlungen verbindlich weiter,
berichten regelmäßig öffentlich darüber und nutzen die Evaluation des
Sportfördergesetzes, um Förderwirkungen, Mittelverwendung und noch offene
Umsetzungsschritte transparent darzustellen. Gemeinsam mit dem
Landessportverband beziehen wir die Interessen kleiner und rein ehrenamtlich
geführter Sportvereine stärker in sportpolitische Entscheidungen ein. Wir
entwickeln die bestehende Veranstaltungsförderung so weiter, dass auch kleinere,
regionale und ehrenamtlich organisierte Formate niedrigschwellig Zugang
erhalten. Gerade im ländlichen Raum sind Sportvereine oft die wichtigsten Orte
für Bewegung, Begegnung und Gemeinschaft. Deshalb verbinden wir Sportentwicklung
und Mobilitätsplanung stärker miteinander.
Bewegung und Sport sind zentral für die gesunde Entwicklung von Kindern und
Jugendlichen – körperlich, sozial und mental. Damit alle Kinder unabhängig von
Herkunft, Einkommen, Wohnort oder der zeitlichen Unterstützung ihrer Eltern
Zugang zu Sport und Bewegung erhalten, bauen wir die Zusammenarbeit zwischen
Sportvereinen, Schulen und Kindertagesstätten systematisch aus und verstetigen
sie. Bei der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung beziehen wir
Sportvereine verbindlich als Partner der Schulen ein. Wir fördern feste
Kooperationsstrukturen zwischen Vereinen, Schulen und Kitas und entwickeln das
bestehende Landesprogramm „Schule + Verein“ des Landessportverbands Schleswig-
Holstein weiter. Unser Ziel ist, dass Sport und Bewegung für jedes Kind
selbstverständlich zum Alltag gehören.
Wir wollen, dass Menschen mit Behinderungen selbstverständlich und
selbstbestimmt am Vereins- und Freizeitsport teilnehmen können. Dafür
unterstützen wir Sportvereine gezielt dabei, ihre Angebote inklusiv zu
gestalten. Wir setzen uns dafür ein, die bestehenden Beratungsstrukturen für
inklusiven Sport auszubauen, zu stärken und mit ausreichenden Ressourcen
auszustatten.
Inklusion scheitert häufig nicht am Willen, sondern an fehlender
Barrierefreiheit oder geeigneter Ausstattung. Deshalb fördern wir neben der
Beratung auch notwendige Sportgeräte und barrierefreie Umbauten. Menschen mit
Behinderungen und ihre Verbände sollen an der Entwicklung und Bewertung der
Programme verbindlich beteiligt werden.
Sportvereine und -verbände müssen sichere Orte für alle bieten: frei von
Diskriminierung, Sexismus, Belästigung und Gewalt. Wir machen Awareness-
Schulungen zu sexualisierter Gewalt und Sexismus zum verpflichtenden Bestandteil
der Aus- und Fortbildung von Trainer*innen und Übungsleiter*innen. Konkret
setzen wir uns dafür ein, im Dialog mit dem Landessportverband Inhalte zu
Prävention, Awareness und Ombudsarbeit in den Trainer*innenschein zu
integrieren. Denn wer eine Lizenz erhält, übernimmt Verantwortung für die
anvertrauten Sportler*innen. Bestehende Ansätze stärken und verankern wir
landesweit.
Vielfalt im Sport bedeutet mehr als den Schutz vor Diskriminierung. Wir stärken
die gleichberechtigte Beteiligung von Mädchen und Frauen in Sportangeboten,
Trainerinnenstäben, Schiedsgerichten, Vereinsvorständen und Verbänden. Auch
Menschen mit Behinderungen, sowie queere, trans, inter* und nichtbinäre Menschen
müssen Sport ohne Ausgrenzung und entwürdigende Hürden ausüben können.
Jedes Kind soll sicher schwimmen können. Schleswig-Holstein hat bei der
Schwimmfähigkeit Fortschritte erzielt. Dennoch kann rund ein Viertel der Kinder
auch nach der sechsten Klasse noch nicht sicher schwimmen. Damit dürfen wir uns
nicht zufriedengeben. Deshalb entwickeln wir die Schwimmlern-Offensive weiter
und sichern sie dauerhaft ab. Mit der Sanierung von Schwimmhallen, der
Einrichtung eines landesweiten Wasserflächenkatasters und auch kreativen
Lösungen wie mobilen Schwimmbecken haben wir in dieser Legislaturperiode
wichtige Grundvoraussetzungen geschaffen. In einem nächsten Schritt stärken wir
die schulischen Angebote. Dafür braucht es mehr Lehrkräfte mit
Schwimmlehrbefähigung – hier weiten wir die Ausbildungskapazitäten aus.
Anfängerschwimmkurse müssen für alle Familien bezahlbar sein und Kinder
mindestens bis zum sicheren Schwimmen auf dem Niveau des Deutschen
Schwimmabzeichens Bronze begleiten.
Mit den Kommunen implementieren wir gemeinsam eine landeseinheitliche und
paritätisch finanzierte Sportstättenplanung und -förderung, die vorhandene
Förderprogramme anderer Ebenen mit einschließt. Ziel muss eine möglichst
bürokratiearme und faire Sportstättenförderung sein, die den Sanierungsstau
abbaut, ohne kleinere Kommunen mit großen Investitionsvorhaben allein zu lassen.
Sportplätze, Laufbahnen und Schulhöfe gehören zur öffentlichen Infrastruktur –
und sie stehen viel zu oft leer. Wir unterstützen Kommunen und Vereine dabei,
geeignete Sporthallen, Sportplätze, Laufbahnen und Schulhöfe außerhalb ihrer
regulären Nutzungszeiten schrittweise für selbstorganisierte Bewegung zu öffnen.
Wer spontan Sport treiben möchte, keinem Verein angehört oder Bewegung in den
Alltag integrieren will, findet vielerorts noch zu wenige geeignete und frei
zugängliche Angebote. Das wollen wir ändern. Wir legen ein Landesprogramm
„Offene Sporthallen“ auf, das Kommunen dabei unterstützt, ihre Schul- und
Vereinssporthallen außerhalb regulärer Unterrichts- und Vereinszeiten flexibel
und niedrigschwellig zu öffnen – für Freizeitgruppen, Familien, Kitas,
Jugendliche, Senior*innen und alle, die sich bewegen wollen. Dabei werten wir
Erfahrungen aus dänischen Kommunen und aus bestehenden deutschen Modellprojekten
zur Öffnung von Sporthallen aus.
Wir unterstützen Kommunen bei der Entwicklung einer digitalen Buchungsplattform,
bei der Installation von moderner Zutritts- und Schließtechnik sowie bei
Sicherheits- und Haftungsfragen. Dabei nehmen wir die berechtigten Interessen
der Schulen und Sportvereine ernst: Wir organisieren die Öffnung gemeinsam mit
Schulen, Kommunen und Sportvereinen. Klare Regelungen zu Nutzung, Haftung,
Aufsicht und Instandhaltung sind dafür Voraussetzung. Eine sachgemäße Nutzung
muss gewährleistet sein, deshalb entwickeln wir gemeinsam mit Kommunen und
Vereinen klare Regelungen für Nutzungszeiten, Haftung und Instandhaltung.
Bewegung findet nicht nur in Hallen und auf Sportplätzen statt. Wege, Parks,
Wälder, Küsten und Gewässer sind wichtige Sport- und Erholungsräume. Wir machen
sie für naturverträgliche Bewegung zugänglich und lösen Nutzungskonflikte
gemeinsam mit Sport, Kommunen, Naturschutz und Grundeigentümer*innen. Durch
klare Wegeführung, gute Informationen und abgestimmte Nutzungskonzepte lassen
sich Sport und Naturerleben miteinander verbinden und sensible Räume wirksam
schützen.
Sportvereine sind vielfach Orte gelebter Demokratie. Wir unterstützen sie dabei,
Mitglieder stärker zu beteiligen, jungen Menschen früh Verantwortung zu
übertragen und transparente Entscheidungs- und Beschwerdestrukturen aufzubauen.
Mit dem Programm „Sport schafft Demokratie“ fördern wir Qualifizierung, Beratung
und lokale Projekte gegen Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus und
Rechtsextremismus.
Der Sport hat eine Bindungskraft, die Menschen wie kein anderer Lebensbereich
zusammenbringen kann. Die Lebenswelten in Vereinen, Verbänden und gemeinsamen
Aktivitäten sind gerade in gesellschaftlich aufgeheizten Zeiten besonders
schützenswert. Ein lebendiges Sportland ist für uns eine zentrale
Gelingensbedingung unseres demokratischen Systems.
Fußball- und Handballvereine sind für viele Menschen in Schleswig-Holstein
wichtige Orte der Identifikation und Gemeinschaft. Eine lebendige, vielfältige
und friedliche Fankultur gehört für uns zum Sport. Trotz rückläufiger Zahlen bei
Straftaten rund um Sportevents planen die Innenminister*innen der Länder
Sicherheitsverschärfungen. Wir GRÜNE lehnen pauschale und einseitige
Sicherheitsverschärfungen ab, etwa den Einsatz von Überwachungssoftware, die
pauschale Reduzierung von Gästekartenkontingenten oder personalisierte Tickets.
Wir stärken stattdessen Fanprojekte, sozialpädagogische Fanarbeit und den
kontinuierlichen Dialog zwischen Fans, Vereinen, Verbänden und
Sicherheitsbehörden. Faninitiativen leisten vor Ort wichtige Demokratiearbeit
und vermitteln in Konfliktsituationen. Dieser präventive Ansatz ist ein großer
Erfolg und einer der Gründe dafür, dass Stadien immer sicherer werden. Wir
stärken Faninitiativen nach Bedarf auch in unteren Ligen und anderen Sportarten.
Sport fördert Gesundheit – leistungssteigernde Substanzen gefährden sie. Auch
außerhalb des organisierten Leistungssports werden Anabolika, Stimulanzien und
andere leistungs- oder körperbildverändernde Substanzen konsumiert. Über
Verbreitung und Entwicklung bestehen jedoch erhebliche Datenlücken, die wir
schließen wollen. Besonders junge Menschen stehen unter wachsendem Druck,
vermeintlich perfekten Körper- und Leistungsbildern zu entsprechen. Hinzu kommt
der weit verbreitete, oft unkritische Gebrauch von Schmerzmitteln im Ausdauer-
und Freizeitsport. Die gesundheitlichen Folgen reichen von Herz-Kreislauf-
Erkrankungen und Leberschäden bis hin zu psychischen Erkrankungen und Risiken
durch verunreinigte Schwarzmarktprodukte.
Wir GRÜNE wollen Dopingprävention deshalb als festen Bestandteil der
Gesundheitsförderung im Breitensport verankern. Gemeinsam mit Sportvereinen,
Fitnessstudios, Schulen und Gesundheitsakteur*innen bauen wir
Aufklärungsangebote aus und informieren insbesondere junge Menschen über die
gesundheitlichen Risiken leistungssteigernder Substanzen. Dabei nehmen wir auch
den missbräuchlichen Gebrauch von Schmerzmitteln in den Blick.