Der bisherige Programmentwurf betrachtet berufliche Bildung vor allem aus der Perspektive der dualen Ausbildung und einzelner Unterstützungsangebote. Mit diesem Änderungsantrag wollen wir den Blick weiten und berufliche Bildung als eigenständigen, gleichwertigen und zentralen Teil unseres Bildungssystems stärken.
Berufliche Bildung umfasst mehr als den Einstieg in eine Ausbildung. Sie reicht von der Berufsorientierung und Ausbildungsvorbereitung über die duale und schulische Ausbildung bis hin zu beruflicher Weiterbildung und lebenslangem Lernen. Gleichzeitig verändern Fachkräftemangel, demografische Entwicklung, Digitalisierung sowie die ökologische Transformation die Anforderungen an berufliche Schulen, Betriebe und Ausbildungswege. Darauf braucht Schleswig-Holstein eine langfristige und abgestimmte Antwort.
Deshalb stärken wir die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung, entwickeln die RBZ zu Zentren des lebenslangen Lernens weiter und schaffen neue Möglichkeiten, berufliche und akademische Abschlüsse miteinander zu verbinden. Übergänge von der Schule in Ausbildung sollen verlässlicher begleitet und die Ausbildungsvorbereitung gestärkt werden. Zugleich wollen wir Ausbildung flexibler und inklusiver gestalten, damit unterschiedliche Lebenslagen und Unterstützungsbedarfe nicht zum Hindernis für einen qualifizierten Berufsabschluss werden.
Mit der Weiterentwicklung der bisherigen Strukturplanung zu einem echten Plan für die berufliche Bildung nehmen wir zudem die Zukunft der beruflichen Schulen im ganzen Land in den Blick. Erreichbarkeit, Qualität, regionale Fachkräftebedarfe und Entwicklungsperspektiven der Standorte müssen dabei gemeinsam betrachtet werden. Das SHIBB soll auf Grundlage seiner Evaluation weiterentwickelt und die Beteiligung der Akteur*innen der beruflichen Bildung gestärkt werden.
Bewährte und bereits im Programmentwurf enthaltene Vorhaben – etwa das Azubiwerk, Azubi-Wohnen, ein solidarischer Ausbildungsfonds, digitale und hybride Lernangebote sowie eine stärkere Mitbestimmung von Auszubildenden – bleiben erhalten, werden aber in eine umfassendere Strategie für die berufliche Bildung eingeordnet.
Damit wird aus einem Kapitel über einzelne Aspekte der Ausbildung ein Gesamtkonzept für eine moderne, inklusive und zukunftsfeste berufliche Bildung in Schleswig-Holstein. Es stärkt die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildungswege, verbessert die Chancen von Auszubildenden und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung und zur Zukunftsfähigkeit unseres Landes.