| Veranstaltung: | Programmparteitag LTW 2027 S-H |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 1. Landtagswahlprogramm |
| Antragsteller*in: | Landesvorstand (dort beschlossen am: 02.09.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 03.09.2026, 15:43 |
4.1: Wirtschaft, Industrie und Handwerk
Text
Ein zukunftsfähiges Schleswig-Holstein braucht starke Unternehmen. Für den
Standort Schleswig-Holstein und seine Unternehmen sind Energiewende und
Klimaschutz positive Wirtschaftsfaktoren und bedingen sich. Sie schaffen
Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Innovation. Wettbewerbsfähige und starke
Unternehmen sind Garanten für faire Löhne, gute Arbeit und krisenfeste
öffentliche Haushalte.
Wir GRÜNE verstehen uns als Partner*innen der Unternehmen im Land. Auch deshalb
hat sich Schleswig-Holsteins Wirtschaft in den letzten Jahren
überdurchschnittlich gut entwickelt. Die Erneuerbaren Energien, die
Gesundheitswirtschaft, die Ernährungswirtschaft, die Sicherheits- und
Verteidigungsindustrie sowie die maritime Wirtschaft und die Digitalwirtschaft
sind wichtige Zukunftsbranchen unseres Landes und Treiber einer positiven
wirtschaftlichen Entwicklung. Gemeinsam mit der Wirtschaft wollen wir diese
Chancen nutzen. Schleswig-Holstein soll ein wirtschaftlich erfolgreiches Land
mit starken Zukunftsinfrastrukturen und intakten natürlichen Lebensgrundlagen
sein.
Schleswig-Holstein produziert weit mehr Erneuerbare Energien als viele andere
Bundesländer. Wir sind bereits das Kraftzentrum der Energiewende in Deutschland.
Wir schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Strom direkt vor Ort genutzt wird.
So gelingt es uns, die Erneuerbaren Energien auch vor Ort in Wertschöpfung
umzuwandeln. Jeder Netzverknüpfungspunkt ist ein Entwicklungschub für Wirtschaft
und Industrie.
Schleswig-Holstein soll ein attraktiver Standort für klimaneutrale Industrie,
Rechenzentren, Elektrolyseure und innovative Unternehmen sein. Dafür entwickeln
wir unsere Ansiedlungspolitik kontinuierlich weiter und richten sie flexibel an
den wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen aus. Wir stärken die
Zusammenarbeit von Land, WTSH, regionalen Wirtschaftsförderungen und Kommunen,
damit Unternehmen schnell verlässliche Ansprechpartner, geeignete Flächen und
zügige Verfahren vorfinden. So unterstützen wir Kommunen bei den Verhandlungen
mit Global Playern. Dabei fördern wir sowohl Neuansiedlungen als auch die
Weiterentwicklung bestehender Unternehmen.
Statt der kostengünstigsten aber sehr wasserintensiven Verdunstungskühlung
wollen wir nachhaltige Kühltechnologien mit geschlossenen Kreisläufen zur
Voraussetzung für den Bau von Rechenzentren machen. Die Abwärme von
Rechenzentren, Elektrolyseuren und anderen energieintensiven Betrieben soll, wo
immer sie nicht für weitere Produktionsprozesse genutzt wird, vor Ort in
Wärmenetze und sinnvolle Anwendungen fließen. Wir setzen uns deshalb dafür ein,
dass neue Rechenzentren möglichst an Standorten entstehen, an denen die
Abwärmenutzung auch möglich ist.
Wir unterstützen die Idee, in Schleswig-Holstein ein Net Zero Valley
einzurichten – also eine europäische Modellregion, in der Klimaneutralität durch
den Einsatz von Netto-Null-Technologien erreicht wird. Ein Net Zero Valley wäre
ein starkes Standortargument für Schleswig-Holstein und ein klares Zeichen des
gemeinsamen Willens der Kreise und kreisfreien Städte, unser Land als
Vorreiterland der Produktion von Netto-Null-Technologien zu positionieren.
Viele Unternehmen in Schleswig-Holstein tragen mit ihren Geschäftsmodellen zum
Umweltschutz, zum Klimaschutz, zur Klimaanpassung oder zum Artenschutz bei. Wir
werden einen Umweltpakt mit der Wirtschaft schließen, um insbesondere ihren
Beitrag zum Umweltschutz noch stärker zu honorieren und neue Projekte auf den
Weg zu bringen.
Wir richten die Internationalisierung Schleswig-Holsteins konsequent auf starke
europäische Partnerschaften aus. Unser Schwerpunkt liegt auf dem Nord- und
Ostseeraum als Zukunftsregion für erneuerbare Energien, klimaneutrale Industrie,
maritime Innovationen und nachhaltige Wertschöpfung. Durch die enge
Zusammenarbeit mit unseren Nachbarregionen stärken wir Innovation,
Fachkräfteaustausch, resiliente Lieferketten und den Zugang zu internationalen
Märkten.
Der Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein wird maßgeblich vom Mittelstand
geprägt. Insbesondere auch kleine Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten
setzen immer wieder wichtige Impulse für Innovation, Wachstum und Beschäftigung.
Viele von ihnen sind als Hidden Champions in ihren Nischen Weltmarkt- oder
Technologieführer. Gleichzeitig verfügen sie häufig nicht über die personellen
und finanziellen Ressourcen, um Transformationsprozesse neben dem Tagesgeschäft
zu bewältigen, und sind von bürokratischen Anforderungen besonders stark
betroffen. Deshalb setzen wir uns in den kommenden Jahren für eine
Wirtschaftspolitik ein, die die Belange kleiner Unternehmen stärker in den
Mittelpunkt rückt, sie bei Innovationen und der Transformation gezielt
unterstützt und bürokratische Belastungen hinterfragt und womöglich abbaut.
Für uns ist klar: Eine wettbewerbsfähige Industrie mit sicheren Arbeitsplätzen
muss zukunftsfähig sein. Wir werden uns eng an der EU-Industriepolitik
orientieren und Schleswig-Holstein zur industriepolitischen Vorzeigeregion des
European Green Deal weiterentwickeln: Produktion auf Basis Erneuerbarer
Energien, Wertschöpfung dank Kreislaufwirtschaft und Ausbau klimafreundlicher
Produktionsweisen und Produkte. Dazu werden wir aktiv am Aufbau grüner
Leitmärkte mitwirken. Wir unterstützen den Industrial Accelerator Act und werden
uns für seine Umsetzung einsetzen. Mit dem IAA sollen gezielte und
verhältnismäßige Anforderungen für „Made in EU“ und/oder CO₂-arme Produkte für
das öffentliche Beschaffungswesen und öffentliche Förderprogramme eingeführt
werden.
Die Industrieregion Brunsbüttel ist eine der spannendsten und zukunftsfähigsten
Industrieregionen Europas. Brunsbüttel entwickelt sich zur zentralen
Energiedrehscheibe Nordeuropas. Hier landen Onshore- und Offshore-Wind an, hier
ist Deutschlands erstes Ammoniak-Importterminal errichtet worden, von hier wird
zur Versorgungssicherheit Deutschlands mit Gas beigetragen, hier entstehen das
Wasserstoffkernnetz, Elektrolyseure und eine CO₂-Leitung samt CO₂-Hub und einer
von Deutschlands größten Batteriespeichern.
Wir setzen uns dafür ein, dass die Industrieregion Brunsbüttel ihr volles
Potenzial als Beispielregion der industriellen Transformation entfalten kann:
Wir sorgen für Netzanschlüsse für die Unternehmen. Wir werden den Gleisanschluss
mit einer Landesgesellschaft übernehmen, das Total-Gleis verlegen und die
Gleisanbindung Brunsbüttels stärken. Wir werden die Umsetzung des
Strategiepapieres „Kurs Brunsbüttel 2040“ weiter aktiv unterstützen.
Das Handwerk ist das Rückgrat unserer regionalen Wirtschaft und unverzichtbar
für die sozial-ökologische Transformation. Gut ausgebildete Handwerker*innen
sind die Fachkräfte, die Wärmepumpen einbauen, Dächer begrünen und Gebäude
energetisch sanieren. Um das Qualifikationsniveau im Handwerk noch mehr zu
stärken, wollen wir den Zugang zur Meisterqualifikation deutlich erleichtern.
Wir brauchen kompetente Handwerksbetriebe im ganzen Land und wollen dafür
sorgen, dass die Fachkräftelücke im Handwerk geschlossen wird. Wir werden im
engen Dialog mit den Handwerkskammern ein Klimaschutzfachkräfteprogramm auflegen
und eine breite Kampagne für Ausbildungen, Umschulungen und Fortbildungen in
diesen Zukunftsbranchen starten. Zudem werden wir Maßnahmen ergreifen, um das
Nachwuchs- und Fachkräftepotential breiter auszuschöpfen. Insbesondere Frauen,
Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne Berufsabschluss müssen bessere
Zugänge erhalten. Die qualifizierte Zuwanderung ist ein weiterer wichtiger
Baustein. Dafür brauchen Betriebe schnelle, unbürokratische Anerkennung- und
Einwanderungsverfahren sowie Unterstützung bei Sprache und Integration. Wir
werden unseren schleswig-holsteinischen Weg der Arbeitsmarktintegration von
Geflüchteten fortführen und mit den Unternehmerverbänden und Gewerkschaften eng
zusammenarbeiten.
Um regionale Strukturen im Handwerk zu erhalten, setzen wir uns dafür ein, dass
mehr junge Menschen eine handwerkliche Ausbildung machen. Deshalb wollen wir die
Ausbildungsberufe und dualen Studiengänge im Handwerk auch für Abiturient*innen
attraktiver machen. Wer für das Handwerk ausbildet, übernimmt Verantwortung –
für junge Menschen, für die Fachkräfte von morgen und für eine starke regionale
Wirtschaft. Dieses Engagement wollen wir unterstützen und fair absichern. Die
bestehenden Finanzierungsstrukturen der dualen Ausbildung im Handwerk müssen
zukunftsfähig gemacht und zeitgemäß angepasst werden. Die duale Ausbildung im
Handwerk ist eine strukturelle Gemeinschaftsaufgabe, die gerecht ausgestaltet
werden muss. Die Ausbildung im Handwerk muss auch in Zukunft für die Betriebe
bezahlbar bleiben.
Eine frühzeitige, praxisnahe und flächendeckende Berufsorientierung muss jungen
Menschen die vielfältigen Chancen der dualen Ausbildung und die attraktiven
Karrierewege im Handwerk näherbringen. Dafür werden wir die engere
Zusammenarbeit von Schulen, Betrieben, Kammern und Arbeitsagenturen
unterstützen. Zudem bieten Ferienpraktika wertvolle Einblicke in die Arbeitswelt
und sind ein wichtiger Baustein beim Übergang von der Schule in den Beruf. Wir
werden die bestehende Praktikumsprämie in Schleswig-Holstein dauerhaft sichern
und weiterentwickeln, damit Jugendliche für ihr Engagement fair entlohnt werden.
Innovationen sind Voraussetzung für neue Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit.
Die Innovationskraft der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft ist im bundesweiten
Vergleich – auch aufgrund der Wirtschaftsstruktur bei uns im Land – weniger
stark ausgeprägt. Wir wollen Innovationen, Forschung und Transfer stärken und
strategisch zusammenbringen. Wir werden uns dafür einsetzen, die Forschungs- und
Entwicklungsarbeit kleiner und mittlerer Unternehmen bei uns im Land zu stärken
und den Transfer von Hochschulen, Wissenschaft und Forschung in die Praxis
verbessern.
Wir wollen die bestehende Gründungsförderung im Land weiterentwickeln und dabei
sicherstellen, dass alle Menschen – unabhängig von Alter, Hintergrund oder
Lebensphase – Zugang zu Unterstützungsangeboten erhalten. Erfahrung, Netzwerke
und Lebenskompetenzen von Gründer*innen sind wertvolle Ressourcen für den
Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein. Bestehende Programme wie das Waterkant-
Festival wollen wir auch künftig als Land unterstützen.
Schleswig-Holstein verfügt bereits über starke Initiativen zur Förderung von
Gründer*innen. Viele erfolgreiche Projekte zeigen, wie wirkungsvoll gezielte
Unterstützung, Vernetzung und Beratung sein können. Doch oft sind diese Angebote
zeitlich befristet, regional unterschiedlich verfügbar oder nicht ausreichend
miteinander vernetzt. Dieses Potenzial wollen wir dauerhaft sichern und
landesweit ausbauen.
Frauen gründen noch immer seltener als Männer, erhalten seltener Wagniskapital
und stoßen häufiger auf strukturelle Hürden. Das wollen wir ändern. Wir setzen
uns dafür ein, erfolgreiche Formate der Gründerinnenförderung langfristig
abzusichern, bestehende Angebote besser miteinander zu verknüpfen und
flächendeckend in ganz Schleswig-Holstein zugänglich zu machen. Bewährte
Initiativen wie WEstartup.SH wollen wir wieder fördern, verstetigen und gezielt
ergänzen.
Darüber hinaus wollen wir den Aufbau und die dauerhafte Unterstützung von
Mentoring- und Netzwerkstrukturen fördern, die Gründerinnen mit erfahrenen
Unternehmerinnen, Investorinnen und Beraterinnen zusammenbringen. Für uns ist
die Förderung von Gründerinnen kein Nischenthema, sondern ein zentraler Baustein
einer innovativen, vielfältigen und zukunftsfesten Wirtschaftspolitik.
Wir wollen Start-ups den Zugang zu Risikokapital und zu öffentlichen Aufträgen
erleichtern. Vergabeverfahren stellen gerade für junge Unternehmen eine
unverhältnismäßig hohe Hürde dar – und schließen damit innovative Ideen und
Geschäftsmodelle indirekt aus der öffentlichen Beschaffung aus. Wir setzen uns
deshalb für eine Ausnahmeregelung im Vergaberecht ein, die öffentliche Aufträge
unterhalb eines Schwellenwertes vereinfacht an Start-ups vergeben lässt.
Schleswig-Holstein ist Vorreiter bei der Nutzung von Open-Source Software und
offenen Schnittstellen. Mit dieser Strategie geben wir auch Gründer*innen die
Möglichkeit, mit innovativen Lösungsansätzen im Digitalbereich Fuß zu fassen.
Wir wollen das als Grundlage nehmen, auch Hub für die Entwicklung von Open-
Source-Lösungen zu werden.
Unternehmerischer Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung gehören für uns
zusammen. Deshalb stärken wir Social und Impact Entrepreneurship als festen
Bestandteil unseres Gründungs- und Innovationsökosystems. Sozial und ökologisch
orientierte Unternehmen entwickeln Lösungen für die Herausforderungen unserer
Zeit – von Klimaschutz über Gesundheit bis zur Teilhabe – und schaffen zugleich
wirtschaftliche Wertschöpfung und gute Arbeitsplätze. Wir entwickeln die
erfolgreiche Landesstrategie für Social Entrepreneurship konsequent weiter,
verzahnen sie mit unserer Gründungs- und Innovationspolitik und sorgen dafür,
dass auch wirkungsorientierte Unternehmen einen besseren Zugang zu Beratung,
Finanzierung und Netzwerken erhalten.
Im Rahmen der strategischen Wirtschafts- und industriepolitischen Entwicklung
unseres Landes werden wir insbesondere auch die bestehenden Branchenschwerpunkte
stärker als bisher berücksichtigen. So stärken wir beispielsweise die Vernetzung
unserer Gesundheits- und Ernährungswirtschaft mit Dänemark und Schweden, die
Zusammenarbeit im Bereich Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft mit dem
Baltikum, Polen und der Ukraine oder die energiewirtschaftliche Vernetzung mit
Dänemark, Norwegen, Schweden, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich.
In keinem Flächenland werden pro Flächeneinheit mehr Windkraftanlagen aufgebaut
als in Schleswig-Holstein. Wir wollen dafür sorgen, dass Schleswig-Holstein
nicht nur Standort der Errichtung von Windkraftanlagen ist, sondern auch von der
industriellen Produktion und dem Recycling von WKA stärker profitiert.
Schleswig-Holstein kann auch beim Rückbau und Recycling von Windenergieanlagen
eine Vorreiterrolle einnehmen – insbesondere für Offshore-Windkraftanlagen. Mit
dem Ende der ersten Offshore-Windpark-Generationen steht in den kommenden Jahren
ein massiver Rückbaubedarf bevor. Diesen begreifen wir als wirtschaftliche
Chance: Wir setzen uns dafür ein, in Schleswig-Holstein einen spezialisierten
Hafenstandort für das Recycling und die Verwertung von Offshore-
Windenergieanlagen zu entwickeln.
Die Gesundheitswirtschaft ist Innovationstreiber und wichtiger Arbeitgeber in
Schleswig-Holstein. Gleichzeitig sichert sie unsere Gesundheitsversorgung. Wir
wollen Schleswig-Holsteins Rolle als Standort der Gesundheitswirtschaft
strategisch weiterentwickeln. Dies umfasst neben der Produktion von Maschinen
und Waren für den Gesundheitssektor auch die Stärkung von
Gesundheitseinrichtungen, die Schleswig-Holstein als Ort der Rehabilitation oder
Gesundheitsprävention nutzen.
Schleswig-Holsteins Ernährungswirtschaft ist in vielen Bereichen Marktführer.
Sie treibt Innovationen und kann regionale Wertschöpfungsketten stärken.
Gleichzeitig sehen wir gerade in diesem Sektor eine angespannte Personallage,
die zum Teil zu kritischen Unterbringung der Mitarbeitenden in großen
Fertigungsbetrieben führt. Wir wollen den Arbeitsschutz auch auf dienstlich
bereitgestellte Wohnräume ausweiten.
Die Kultur- und Kreativwirtschaft leistet einen hohen gesellschaftlichen
Beitrag: Sie schafft Orte der Begegnung, stärkt demokratische Öffentlichkeit,
regionale Identität und Lebensqualität. Zugleich ist sie ein bedeutender
Wirtschaftsfaktor mit Wirkung weit über die Kultur hinaus – für Tourismus,
Innovation, Stadt- und Regionalentwicklung sowie die Attraktivität Schleswig-
Holsteins als Lebens- und Arbeitsort. Mit ihren vielfältigen Teilbranchen – von
Musik, Buchmarkt und Film über Design, Architektur, Presse, Werbung bis hin zu
Games und Software – schafft die Kultur- und Kreativwirtschaft Beschäftigung,
Gründungen und neue Ideen. Dennoch ist sie in Schleswig-Holstein bislang zu
wenig sichtbar und nicht ausreichend systematisch gefördert. Das wollen wir
ändern. Wir setzen uns für eine ressortübergreifende Strategie ein, die
Wirtschafts-, Kultur-, Tourismus- und Wissenschaftspolitik zusammendenkt. Ein
eigener Baustein dieser Strategie wird die Gameswirtschaft, die wir in
Schleswig-Holstein strategisch stärken wollen.
Die Logistik ist das Blut in den Adern unseres Wirtschaftssystems. Sie sorgt
dafür, dass Waren und Güter ihr Ziel erreichen können. Schleswig-Holstein ist
als Brücke zwischen Mitteleuropa und Skandinavien eine zentrale
Logistikdrehscheibe Europas. Mit dem Bau der Fehmarnbeltquerung – zu dem wir uns
immer kritisch positioniert haben – wird diese Rolle noch einmal zusätzlich
gestärkt. Wir setzen uns dafür ein, dass wir auch der grünste und nachhaltigste
Logistikstandort werden. Viele Unternehmen haben sich bereits auf den Weg hin
zur Elektromobilität und besseren Vernetzung ihrer Verkehre gemacht. Wir werden
die Transformation der Logistik weiter unterstützen und setzen uns für die
richtigen Rahmenbedingungen ein. Dies umfasst beispielsweise die wettbewerbliche
Stärkung von E-LKW auch bei kürzeren und regionalen Distanzen. Die Mautbefreiung
für E-LKW wollen wir beibehalten und für eine starke Ladeinfrastruktur für LKW
im Land sorgen.
Schleswig-Holstein ist ein wichtiger Standort der Sicherheits- und
Verteidigungswirtschaft. Als europäische Gemeinschaft mehr Verantwortung
übernehmen zu wollen und den Kriegsbestrebungen von Putin, Trump und Co. etwas
entgegenzusetzen bedingt auch, dass Rüstungsgüter in der Europäischen Union
produziert werden müssen. Neben der wirtschaftlichen Konkurrenzsituation kommt
der regionalen Fertigung von Rüstungsgütern – gerade in sich zunehmend
digitalisierenden Konflikten – der Aspekt der Souveränität hinzu.
Die Beschaffung von Rüstungsgütern für die Bundeswehr sollte nicht
außereuropäisch erfolgen. Wir werden außerdem europäische Initiativen zur
gemeinsamen Produktion und zur Vereinheitlichung von Systemen und Schnittstellen
unterstützen, um möglichst effiziente und ressourcenschonende Beschaffung zu
ermöglichen. Neben der Stärkung des lokalen Know-Hows geht dies auch mit der
Absicherung der Systeme und der Kenntnis über Funktionalität und
Interoperabilität einher.
Schleswig-Holstein ist eines der beliebtesten Reiseziele Deutschlands – und das
zu Recht. Unsere einzigartige Natur zwischen Nord- und Ostsee, den Nationalpark
Wattenmeer, sechs Naturparke, unsere lebendigen Städte und die vielfältige
Kultur- und Naturlandschaft und UNESCO Welterbe-Stätten sind Schätze, die wir
bewahren und klug weiterentwickeln wollen. Tourismus ist für uns ein
Querschnittsthema, das Wirtschaft, Mobilität, Naturschutz, Bildung und soziale
Teilhabe miteinander verbindet.
Wir wollen Schleswig-Holstein als nachhaltiges Tourismusland Nummer eins weiter
stärken – und dabei die Qualität über die Quantität stellen. Intakte Natur,
saubere Gewässer und eine vielfältige Kulturlandschaft sind die Grundlage
unseres Tourismus. Unser Ziel ist, die Natur zu schützen, sie für Einheimische
und Tourist*innen erlebbar zu machen und nachhaltig touristisch in Wert zu
setzen. Unsere Naturparke stehen dafür und ihre Arbeit wollen wir unterstützen
und ausweiten.
Ein vitaler Tourismusstandort lebt von seinen Hotels, Gastronomiebetrieben und
privaten Vermieter*innen. Wir wollen auch ein starker Standort des Hotel- und
Gastronomiegewerbes sein. Dafür braucht es insbesondere gute Fachkräftekonzepte,
bürokratische Entlastungen und gute Infrastrukturen, zu denen auch ausreichend
Wohnraum für Fachkräfte in touristischen Destinationen gehört.
Tourismus darf gleichzeitig nicht auf Kosten der Menschen gehen, die hier leben.
Vielmehr sollten die Menschen vor Ort am wirtschaftlichen Erfolg durch den
Tourismus partizipieren. Überfüllte Strände, Verkehrschaos und verdrängter
Wohnraum sind keine unvermeidlichen Begleiterscheinungen, sondern politisch
anzugehende Herausforderungen. Dafür muss die Saison entzerrt werden wie
beispielsweise durch die vollständige Ausschöpfung des 90-Tage-Korridors für die
gestaffelten Sommerferien und eine Beteiligung von allen Bundesländern (auch von
Bayern und Baden-Württemberg) am rollierenden System.
Wir wollen Gesundheit und Tourismus mit den Konzepten und Ideen der
Nachhaltigkeit, Naturverträglichkeit und der Stärkung der ländlichen Räume
verknüpfen. Gesundheits- und sanfter Kurtourismus sehen wir als Chance, die
Nebensaison zu stärken – dies wollen wir aktiv fördern und dabei dafür sorgen,
dass dies mit einer verlässlichen medizinischen Grundversorgung vor Ort im
Einklang steht.
Urlaub muss für alle erschwinglich sein. Wir setzen uns für einen
sozialverträglichen Tourismus ein: Subventionierte Übernachtungsangebote, eine
gezielte Förderung von Jugendherbergen – inklusive ihrer energetischen Sanierung
– und günstige Familienangebote sollen sicherstellen, dass Erholung in
Schleswig-Holstein kein Privileg ist. Denn bezahlbarer Urlaub in Deutschland ist
nicht nur gut für Familien, sondern auch gut für das Klima.
Im ländlichen Raum sehen wir großes Potenzial für einen sanften, naturnahen
Tourismus. Rad- und Wanderwege, Bike-Sharing-Angebote, regionale Produkte aus
ökologischer Erzeugung und zertifizierte Natur- und Landschaftsführer*innen
machen unsere Region erlebbar und stärken gleichzeitig die lokale Wertschöpfung.
Den Aktionsmonat Naturerlebnis, die Aktionswoche Biologische Vielfalt und
außerschulische Lernorte wollen wir ausbauen und besser fördern. Die
grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Dänemark begreifen wir als Chance – für
gemeinsame Tourismusangebote, abgestimmte Naturschutzkonzepte und eine stärkere
Vernetzung beider Regionen.
Schleswig-Holstein verfügt mit der Tourismusstrategie 2030 über einen
ambitionierten Rahmen – doch Papier allein reicht nicht. Wir werden die
Umsetzung der Tourismusstrategie aktiv und kritisch begleiten und dabei
sicherstellen, dass Nachhaltigkeit nicht nur als Leitmotiv formuliert wird,
sondern tatsächlich in den Mittelpunkt aller Maßnahmen rückt. Ökologische und
soziale Ziele müssen gleichrangig neben wirtschaftlichen Interessen stehen –
nicht dahinter verschwinden.
Schleswig-Holstein hat das Potenzial, sich als eines der führenden
Radreiseländer in Nordeuropa zu etablieren. Die Küsten, Seen, Wälder und Hügel
des Landes bieten ideale Voraussetzungen für Radtourismus – vorausgesetzt, die
Infrastruktur hält mit diesem Potenzial Schritt. Wir wollen diesen Anspruch
einlösen:
Wir werden ein zusammenhängendes Netz an Velorouten durch ganz Schleswig-
Holstein schaffen – von der Ostseeküste bis zur Nordsee, vom Ballungsraum bis
ins Binnenland. Dabei orientieren wir uns an erfolgreichen skandinavischen
Vorbildern wie den schwedischen Radfernwegen Sydkustleden und Kattegattleden.
Entlang der Ostseeküste wollen wir einen hochwertigen Radfernweg entwickeln, der
Schleswig-Holstein als Radreiseziel international sichtbar macht. Für
Radreisende wollen wir nach dänischem Vorbild ein Netz einfacher
Schutzunterkünfte – sogenannte Shelter – entlang der Hauptrouten schaffen. Den
Radtourismus verknüpfen wir mit unserer Strategie für einen nachhaltigen
Binnenlandtourismus. Schleswig-Holstein soll zeigen, dass klimafreundliche
Mobilität und attraktiver Tourismus keine Gegensätze sind – sondern einander
bedingen.
Schleswig-Holstein ist mehr als Nord- und Ostseeküste. Unsere Moorflächen,
Heiden, Flusssysteme, die historischen Kulturlandschaften und unsere Naturparke
bieten einzigartige Naturerlebnisse – und sie sind noch weitgehend frei von
Überlastung. Während Küstenorte im Sommer längst an ihre Kapazitätsgrenzen
stoßen, schlummert im Binnenland erhebliches touristisches Potenzial. Dieses
wollen wir heben – nachhaltig, naturnah und im Einklang mit Mensch und Natur.
Das integrative Projekt „Grünes Lebensband Schleswig-Holstein" – eine
durchgehende West-Ost-Achse von der Halbinsel Eiderstedt über die
Flusslandschaft Eider-Treene-Sorge bis zur Weltkulturerbestätte Haithabu und
Danewerk sowie zur Schleiregion – wollen wir als Leuchtturmprojekt für
nachhaltigen Binnenlandtourismus umsetzen. Es verbindet ökologische, kulturelle
und touristische Potenziale zu einem zukunftsfähigen Entwicklungsraum.
Im Urlaub sind wir Menschen offener für Naturerlebnisse und Umweltbildung. In
der Natur verschwindet der Alltagsstress und der direkte Kontakt zu Tieren,
Pflanzen und unbekannten Ökosystemen weckt Interesse. Durch positive
Naturerlebnisse und neue Impulse im Urlaub kann Nachhaltigkeit und Naturschutz
auch weitergegeben werden. Wir verstehen deshalb auch Umweltbildung und die
Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) als einen Kern der Tourismuspolitik.
Naturschutz und Tourismus wollen wir als partnerschaftliche Einheiten sehen,
damit unsere Naturräume erlebbar gemacht werden und so auch langfristig
geschützt werden können. Wir setzen uns dafür ein, dass unsere Gäste in
Schleswig-Holstein durch gezielte Informations- und Umweltbildung die Natur
verstehen und wertschätzen – diese Angebote wollen wir im ganzen Land stützen
und weiterhin stärken. Lernorte und praxisnahe Projekte wie z. B. die
naturpädagogischen Angebote an den Küsten und in den Naturparken wollen wir
ausbauen und fördern. Um die Relevanz des Themas Meeresschutz stärker zu
vermitteln und viele Menschen für einen guten Umgang mit den Meeren zu
sensibilisieren unterstützen wir die Entwicklung eines
Meeresvisualisierungszentrums, wie sie derzeit in Kiel geplant wird.
Damit unsere Gäste vor Ort vom eigenen Auto auf umweltfreundlichere Alternativen
wechseln können, wollen wir direkt an den Knotenpunkten eine nahtlose
Kombination aus Bahn/Bus, E-Carsharing Angebote, Rufbus-Systeme und E-
Lastenrädern oder Leihfahrrädern ermöglichen und den Zugang mittels einer App
einfach möglich machen. Dafür werden wir ein landesweites Konzept und
Pilotprojekte auf den Weg bringen. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass
Kurkarten kurzfristig in den Tourismusgebieten auch als ÖPNV-Ticket anerkannt
werden. Das fördert die klimafreundliche Mobilität ohne eigenes Auto, gerade bei
denen, die nicht bereits über ein Deutschlandticket verfügen.
Schleswig-Holstein bietet beste Standortbedingungen mit einem der sichersten
Stromnetze der Welt, verfügbarem, bezahlbarem Strom und verfügbaren
Netzanschlüssen, mit einem hervorragend ausgebauten Glasfasernetz, mit der
Verfügbarkeit von Wasser und Gewerbeflächen und der Entwicklung des
Wasserstoffkernnetzes.
Wo in den nächsten Jahren neue, große Umspannwerke und Netzverknüpfungspunkte
entstehen, setzen wir uns dafür ein, dass auch neue Gewerbe- und
Industrieflächen entwickelt werden können. Interkommunale Gewerbegebiete sind
dafür eine gute Möglichkeit. Wir werden aber auch landesplanerisch neue
Möglichkeiten zur Gewerbeflächenentwicklung in Verbindung mit
Energieinfrastrukturen schaffen.
Gewerbegebiete sind für die regionale wirtschaftliche Entwicklung erforderlich.
Gleichzeitig können Gewerbegebiete deutlich nachhaltiger entwickelt werden, als
es bisher oftmals der Fall ist. Den Entwicklungsfonds Schleswig-Holstein werden
wir deshalb gezielt zu einem Instrument für die nachhaltige Transformation von
Gewerbe- und Industriegebieten weiterentwickeln. Gemeinsam mit den regionalen
Wirtschaftsförderungsgesellschaften werden wir eine Strategie für nachhaltige
Gewerbegebiete auf den Weg bringen. So zeigen wir beispielsweise auf, wie
Flächenverbrauch reduziert, Flächen recycelt, Stromerzeugung und -verbrauch
optimiert, Mobilität vernetzt gedacht und Biodiversität in Gewerbeflächen
vorangebracht werden kann. Für ungenutzte Gewerbeflächen wollen wir einen
rechtssicheren Rahmen für „Naturschutz auf Zeit“ auf den Weg bringen.
Wir wollen Schleswig-Holstein zu einem Land machen, in dem Abfall konsequent
vermieden, Rohstoffe im Kreislauf gehalten und Ressourcen verantwortungsvoll
genutzt werden. Dafür unterstützen wir Kommunen dabei, den Zero-Waste-Ansatz in
ihrer Stadtentwicklung zu verankern – von der Abfallvermeidung über
Wiederverwendung bis hin zu geschlossenen Materialkreisläufen.
Wir wollen auf Landesebene die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen und Städte
und Gemeinden dabei unterstützen, Zero-Waste-Strategien zu entwickeln und
umzusetzen. Dabei setzen wir auf konkrete Maßnahmen statt auf Etiketten:
Mehrwegsysteme im Einzelhandel und bei Veranstaltungen, kommunale Repair-Cafés
und Tauschbörsen, öffentliche Beschaffung nach Kreislaufwirtschaftsprinzipien
sowie die Stärkung lokaler Strukturen zur Abfallvermeidung. Wir wollen
Initiativen sichtbar machen und gezielt fördern. Dazu werden wir Fördermittel
zugänglicher gestalten: Zivilgesellschaftliche Akteure müssen Kreislaufprojekte
unabhängig von kommunalen Konzepten und ohne Kommunen als Pflichtantragsteller
beantragen können. Wir werden darauf hinwirken, dass auch der Kauf gebrauchter
Gegenstände im Rahmen von Förderprogrammen – etwa der Aktivregion – als
förderfähig anerkannt wird.
Kreislaufwirtschaft beginnt beim Produktdesign. Wir setzen uns dafür ein, die
Ökodesign-Anforderungen um klare Nachhaltigkeitskriterien zu erweitern –
Produkte sollen langlebig, reparierbar und recyclingfähig sein. Wir unterstützen
die Einführung eines digitalen Produktpasses, der Transparenz über Materialien
und Reparierbarkeit schafft und so neue Geschäftsmodelle ermöglicht.
Das Land Schleswig-Holstein, und damit auch unsere Wirtschaft, profitieren von
Fördermitteln der Europäischen Union und des Bundes. Besonders die großen EU-
Förderprogramme, wie der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), der
Europäische Landwirtschaftsfonds (ELER) oder der Europäische Sozialfonds (ESF),
sind für uns wichtig.
Unser Ziel ist es, auch künftig die notwendigen Mittel zur Fortführung und Co-
Finanzierung dieser Programme zur Verfügung zu stellen. Dazu gehört für uns auch
der Erhalt der einzelbetrieblichen Förderung mit EU-Mitteln, damit Unternehmen
Investitionen in Klimaschutz, Energieeffizienz, Digitalisierung und nachhaltige
Innovationen umsetzen können. Wir wollen die Verwendung der zu verteilenden
Gelder zukünftig noch stärker auf die Förderung von klimaschutz- und
energiewenderelevanten Projekten ausrichten.
Wir setzen uns auf Bundesebene für eine längst überfällige Novelle des
Bundesbergrechts ein. Bodenschätze sollen nicht mehr vorrangig ausgebeutet
werden, sondern nur in wohl begründeten Ausnahmefällen abgebaut werden dürfen.
Fossile Brennstoffe in Deutschland sollen nicht mehr für die Verbrennung
gefördert werden dürfen.
Der Abbau von Sanden und Kies ist für die Entwicklung unserer Infrastruktur und
viele der vor uns liegenden transformativen Aufgaben noch unverzichtbar. Wir
werden das Rohstoffrecycling weiter stärken und gleichzeitig Vorbehaltsgebiete
für den Abbau von Sanden und Kies auch landesplanerisch sichern, um die
Rohstoffverfügbarkeit langfristig sicherzustellen. Im öffentlichen Bauwesen
werden wir die Verwendung von Recyclingbaustoffen und klimaneutralen Baustoffen
zum Regelfall machen. Wenn ab 2030 noch Primärbaustoffe verwendet werden müssen,
soll dies über den Kauf von Moorfutures oder anderen Instrumenten ausgeglichen
werden.
Für viele Menschen im Süden Schleswig-Holsteins ist die Landesgrenze zu Hamburg
im Alltag kaum spürbar: Arbeitswege, Mobilität, Versorgung, Wohnen, Wirtschaft
und Freizeit orientieren sich längst an der gemeinsamen Region. Politische und
planerische Entscheidungen werden jedoch noch immer zu oft entlang
administrativer Grenzen getroffen. Raumplanung, Infrastrukturentwicklung und
Daseinsvorsorge müssen stärker zusammengedacht werden – nicht durch zusätzliche
Bürokratie, sondern durch verbindlichere Zusammenarbeit und klare gemeinsame
Verantwortung.
Die Metropolregion Hamburg ist einer der stärksten Wirtschaftsräume
Deutschlands. Ihre Potenziale sind aber noch lange nicht ausgeschöpft. Eine
engere Kooperation von Ländern, Kreisen, Städten, Gemeinden und Bezirken kann
dazu beitragen, Klimaschutz, Mobilität, Energieversorgung, Katastrophenschutz
und öffentliche Daseinsvorsorge wirksamer und vorausschauender zu gestalten. Um
die länderübergreifende Zusammenarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung
zu intensivieren, unterstützen wir den weiteren Aufbau der Innovationsagentur.
Wir wollen prüfen, ob nach der Umsetzung der Zukunftsagenda ein Antrag für einen
erneuten Bericht zur Metropolregion Hamburg bei der OECD gestellt werden kann.
Wir wollen die bestehenden Kooperationsstrukturen der Metropolregion Hamburg
stärken und weiterentwickeln. Dabei kommt den Kommunen eine zentrale Rolle zu:
Sie tragen Verantwortung für die konkrete Umsetzung vor Ort, kennen die
Bedürfnisse der Menschen und müssen bei regionalen Entscheidungen frühzeitig und
wirksam eingebunden werden. Zusammenarbeit darf nicht allein Verwaltungssache
sein, sondern braucht kommunalpolitische Mitgestaltung, Transparenz und
Verbindlichkeit.
Dafür setzen wir auf verlässliche Kooperation insbesondere zwischen Schleswig-
Holstein und Hamburg, aber auch mit Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen,
sowie den Kreisen, Städten und Gemeinden – mit dem Ziel, ungenutzte Potenziale
der Region endlich besser zu heben. Auch über die Metropolregion Hamburg hinaus
gilt: Lebensräume enden nicht an Verwaltungsgrenzen. Deshalb wollen wir länder-
und kreisübergreifende Zusammenarbeit überall dort stärken, wo gemeinsame
Planung, Infrastrukturentwicklung und Daseinsvorsorge den Menschen konkret
nutzen.
Wir wollen das Ladenöffnungsrecht an die Lebensrealität im ländlichen Raum
anpassen. Personallose Nahversorgungsmärkte stärken die Daseinsvorsorge und
haben einen verlässlichen, rechtssicheren Rahmen erhalten. Nach der Evaluation
des Gesetzes werden wir den bestehenden Spielraum konsequent nutzen.
Gleichzeitig setzen wir uns für eine Weiterentwicklung des bundes- und
verfassungsrechtlichen Rahmens ein, damit innovative, personallose Nahversorgung
künftig ähnlich liberal ermöglicht werden kann wie in vielen skandinavischen
Ländern.